Fussball – mit Video 05.08.2017

Beim verjüngten SCD ist Geduld gefragt

SCD-Trainer Martin Lengen: «Ich will, dass meine Mannschaft kämpferisch auftritt.»
Nachdem der SC Düdingen im Frühling den Abstieg aus der 1. Liga in extremis verhindern konnte, kündigt sich eine wiederum komplizierte Saison an. Trainer Martin Lengen hat mit dem nochmals stark verjüngten Kader nur ein Ziel: die Klasse zu halten.

Nur dank Schützenhilfe konnte sich der SC Düdingen im letzten Spiel der Saison 2016/17 vor dem Abstieg in die 2. Liga interregional retten. SCD-Trainer Martin Lengen, der nach seiner Beurlaubung im Saisonfinish wieder zurück an der Seitenlinie ist, sprach mit den FN über sein verjüngtes Kader, die Saisonziele und inwiefern er selbst seine Arbeitsweise hinterfragt hat.

 

Martin Lengen, letzte Saison ist der SCD dem Abstieg in die 2. Liga interregional nur knapp entronnen. Was gibt Ihnen die Zuversicht, dass die Saison 2017/18 besser wird?

Wir haben sicher ein schwieriges Jahr hinter uns. Aber es hätte auch eine ganz gute Saison werden können. Mit drei Siegen in Serie sind wir gut in die Rückrunde gestartet und haben im Cup die Hauptrunde erreicht. Doch dann hatten wir mitunter Verletzungspech. Das führte zu diversen Umstellungen, die in einer Negativspirale endeten. Dass es nicht einfach werden würde in dieser starken 1.-Liga-Gruppe wussten wir jedoch schon letzte Saison – und das wird diesmal nicht anders sein. Unser Saisonziel kann deshalb ganz klar nur der Ligaerhalt sein, zumal wir eine noch jüngere Mannschaft stellen, nachdem schon letzte Saison schon zwölf Spieler, die noch Junioren A spielen konnten, eingesetzt wurden. Alle unsere neuen Spieler kommen vom eigenen Nachwuchs, aus der 2. Liga interregional oder von Absteigern aus der 1. Liga. Wir wissen, dass es hart werden wird. Aber wir nehmen diese Herausforderung an.

«Ein richtiger Puncher, der die Mannschaft mitziehen kann, fehlt vielleicht.»

Martin Lengen

Trainer SC Düdingen

 

Der Alterschnitt der Mannschaft beträgt gerade einmal 22 Jahre. Ein bewusster Entscheid?

Ja. Klar hätte ich den einen oder anderen routinierten Spieler gerne behalten. Ein Fabian Stoller etwa wäre im defensiven Mittelfeld Gold wert gewesen für ein derart junges Team. Aber er konnte in die Promotion League zu Breitenrain. Klar, dass er so eine Möglichkeit nutzt. Unabhängig davon war unser Ziel aber, eine junge Truppe aus Spielern, wenn möglich aus der Region, auf die Beine zu stellen. Wir wollen noch mehr junge Spieler in die 1. Mannschaft integrieren, im Bewusstsein, dass es in der Meisterschaft schwierig werden wird.

Erhoffen Sie sich mit dieser Strategie auch, dass sich die Zuschauer wieder vermehrt mit der Mannschaft identifizieren können?

Letztlich kann man es machen, wie man will, allen ist es nie recht. Aber wenn man unser Team im Vergleich mit vielen anderen 1.-Liga-Mannschaften anschaut, fallen zum einen die jungen Jahrgänge auf und zum anderen, wie viele Namen man noch aussprechen kann.

Was werden die grössten Schwierigkeiten sein, mit denen der SCD in dieser Saison konfrontiert sein wird?

Es hat schon sehr, sehr viele Änderungen im Sommer gegeben. Die vielen jungen Spieler müssen sich zunächst an den höheren Rhythmus gewöhnen. Abgesehen davon will ich eine Mannschaft, die willig ist, die Biss hat und die Fortschritte erzielen will. Mein Team soll auf dem Platz Gas geben. Gefragt sind gleichzeitig aber auch Zeit und Geduld. Nicht nur bezüglich dem Spielrhythmus, auch körperlich ist der Unterschied zwischen der 1. Liga und den unteren Ligen enorm gross.

Stimmen vor dem Saisonstart des SC Düdingen.

Inwiefern sind Sie als Trainer mit dieser Ausgangslage gefordert?

Ich muss die Spieler an das höhere Niveau heranführen. Es wird ganz sicher nicht jeder den Sprung in die 1. Liga packen. Wenn einer nach ein, zwei Jahren noch nicht Stammspieler ist, dann wird es schwierig. Aber ich bin guten Mutes, haben sich in den letzten Jahren doch einige junge Spieler etabliert. Ich denke dabei an Fabian Suter oder Loïc Marmier. In der Vorbereitung hatte jeder einzelne Spieler die Chance, sich zu präsentieren. Nun liegt es an mir, die richtige Auswahl zu treffen und so das Maximum aus der Mannschaft herauszuholen.

Gerade junge Spieler müssen geführt werden. Verfügen Sie noch über Leader in der Mannschaft?

Ein Top-Leader fehlt sicherlich. Frédéric Piller, Roger Wingeier, Flavio Cassara oder Elvis Corovic, also Spieler, die schon länger dabei sind, sind durchaus Führungsspieler. Aber ein richtiger Puncher, der die Mannschaft mitziehen kann, fehlt womöglich. Eine solche Position kann sich ein Spieler – und das kann auch einer der jungen sein – jedoch mit Leistung erarbeiten.

Wie werden Sie versuchen, die jungen, zuweilen ungestümen Spieler taktisch zu disziplinieren?

Natürlich sind sie unbekümmert. Ein wenig sind die Spieler wie junge Hunde. Das sorgt zwischendurch für Überraschungsmomente – im positiven und negativen Sinn. Taktisch hat der eine oder andere noch Mängel. Das Defensivverhalten muss stimmen, sie dürfen nicht nur nach vorne rennen. Aber wie schon erwähnt, man muss diesen Spielern Zeit geben. In der Vorbereitung hat das Team gegen andere 1.-Liga-Teams oder solche aus der 2. Liga inter jedenfalls schon sehr gute Leistungen gezeigt.

Sie selbst wurden vergangene Saison fünf Runden vor Ende beurlaubt und kehren nun an die Seitenlinie des SCD zurück. Haben Sie keine Bedenken, dass bei fehlendem Erfolg nicht wieder die Reissleine gezogen wird?

Seither ist viel Zeit vergangen. Als ich beurlaubt wurde, lagen wir noch zwei Plätze über dem Strich. Insofern konnte ich meine Arbeit mit gutem Gewissen wieder aufnehmen. Zudem hat es viele Wechsel in der Mannschaft gegeben. Mittlerweile bin ich bereits wieder zwei Monate hier und es ist, als ob ich nie weg gewesen wäre. Ich habe schon nach meiner Beurlaubung gesagt, dass ich mir die elf guten Jahre in Düdingen nicht wegen ein paar Wochen kaputtmachen lasse. Mir wurde aber klar kommuniziert, dass ich mit einem jungen Team arbeiten werde. Der Vorstand hat mir versichert, dass er mir Zeit geben und Geduld aufbringen werde. Ich gehe davon aus, dass das der Fall sein wird.

Wie sieht es mit der Akzeptanz Ihnen gegenüber beim Team aus?

Letztlich muss jeder Spieler für sich schauen. Wenn einer nicht Vollgas gibt, schadet er sich nur selbst. Es stehen 23 Spieler im Kader und am Ende spielen jene, die der Mannschaft am meisten bringen. Mit den Spielern, die im Club geblieben sind, hatte ich aber auch nie Probleme.

Inwiefern haben Sie nach den Erfahrungen aus der letzten Saison Ihre Arbeitsweise verändert?

Es ist klar, dass ich gewisse Dinge in meiner Arbeit hinterfragt habe. Alle haben Fehler gemacht, da nehme ich mich bestimmt nicht heraus. Wie die Spieler soll auch ich mich ständig verbessern und weiterentwickeln. Gleichzeitig bleibt meine Philosophie unverändert, und ich bleibe meiner Linie mehr oder weniger treu.

Und wie sieht Ihre Linie aus?

Mir ist sicher die Disziplin ein Hauptanliegen. Und ich will, dass meine Mannschaft kämpferisch auftritt. Die Zuschauer sollen sehen, dass sich die Spieler für den Club zerreissen. Dabei darf das Fussballspielen aber nicht vergessen werden. Ziel ist, den Ball möglichst viel in den eigenen Reihen zu halten.

Sie haben es eingangs erwähnt, Priorität hat der Ligaerhalt. Ein moderates Ziel …

Letzte Saison konnten wir zwar Top-Teams wie Lausanne-Ouchy schlagen, aber im Vergleich zu den Spitzenclubs fehlt uns die Konstanz. Mit unserer neuen Ausrichtung und dem verjüngten Kader kann unser Ziel aber nur der Ligaerhalt sein, da müssen wir realistisch bleiben. Es wird ein Überbrückungsjahr, in dem wir so schnell wie möglich einen gesicherten Platz erreichen wollen.

Sehen Sie längerfristig den Platz für einen Verein wie den SC Düdingen in der 1. Liga in Gefahr?

Bezüglich der Infrastruktur mit dem neuen Stadion sind wir top und gehören in die 1. Liga. Aber wir müssen am Boden bleiben. Dass wir vor einigen Jahren die Aufstiegsspiele erreicht haben, war sensationell. Aber wir sind immer noch ein Dorfclub und können uns nicht mit Teams vergleichen, die den Aufstieg anstreben.

Die Saisonvorbereitung ist vorbei. Wie sieht Ihre Bilanz aus?

In den Testspielen hatten wir meist eine gute und eine weniger gute Halbzeit. Die Mannschaft hat ihr Potenzial angedeutet. Interessant war jedoch vor allem, wie sie trainiert hat. Der Einsatz war gross, das macht Freude. Leider konnte ich während der ganzen Vorbereitung nicht ein Mal mit der Verteidigung spielen, die schon letzte Saison auf dem Platz gestanden hatte. Für das erste Spiel sollten aber alle Verteidiger wieder einsatzbereit sein.

 

Hat sich bereits eine Stammelf herauskristallisiert?

Weil wir ausgeglichener besetzt sind als noch letzte Saison und mehrere Spieler auf verschiedenen Positionen spielen können, ist das nicht der Fall. Der Konkurrenzkampf ist entfacht. Der Spieler, der mehr Gas gibt, wird zum Einsatz kommen. Es braucht jede Woche Leistung, sonst nimmt ein anderer Spieler den Platz ein.

Wie wichtig wird gerade für die junge Mannschaft ein guter Saisonstart sein?

Sicher sehr wichtig. Andererseits hatten wir letzte Saison eine Top-Vorbereitung, gewannen die ersten drei Spiele und sind dann doch noch in die Bredouille geraten. Im Gegensatz dazu waren wir mit sieben Remis gestartet, als wir damals die Aufstiegsspiele erreicht hatten. Es ist also sicher nichts verloren, wenn der Start nicht so gut sein sollte. Es wird seine Zeit brauchen, bis sich das Team findet.

Kader

Kein neuer Spieler älter als 23 Jahre

Derweil Routiniers wie Fabian Stoller den SCD verliessen, stiessen ein Dutzend junge Spieler zum Club. Keiner dieser Zuzüge ist älter als 23 Jahre. Nachdem Sportchef René Cavigelli den Verein im Sommer verlassen hatte, kümmerte sich Co-Präsident Beat Hirschi in Absprache mit Trainer Martin Lengen um die Transfers.

fs

 

 

 

Das Kader des SC Düdingen

 

Torhüter: Roger Wingeier (Alter 31), Kai Stampfli (19).

Verteidiger: Yves Boschung (19), Jan Bürgy (18), Flavio Cassarà (24), Elvis Corovic (28), Jens Hofer (19), Loïc Marmier (20), Jannick Rytz (19/neu/Jun. A), Yessin Sdiri (20/neu/FC Freiburg), Fabian Suter (21).

Mittelfeld: Christoph Catillaz (21), Andi Iseni (22), Frédéric Piller (27), Cédric Portmann (19/neu/Jun. A), Nando Sommer (21/neu/FC Plaffeien), Kevin Pianaro (23/neu/FC La Sarraz).

Stürmer: Fisnik Pajaziti (19/neu/Jun. A), Lionel Buntschu (20/neu/FC Farvagny), Ndiaw Ndiaye (23/neu/FC La Sarraz), Karim Diarra (23/neu/FC Dardania LS), Elie Dindamba (23/neu/FC Bulle), Maxime Mason (22/neu/FC Bulle). Dylann Nyangi (19/neu/FC Luzern U21). Trainer: Martin Lengen.

Abgänge: Manuel Schwarz (FC Plaffeien), Fabian Stoller (Breitenrain), Adan Rebronia (FC Freiburg), Ermin Gigic (?), Dino Rebronia (?), Tolga Mertoglu (?), Ovidu-Ionut Mendizov (?), José Muala (?).