Eishockey 09.10.2017

Viel Arbeit für wenig Lohn

Gottérons Goalie Barry Brust ist geschlagen, die Berner bejubeln den 4:4-Ausgleich.
In einem in dieser Saison erstmals ausverkauften St. Leonhard hat Gottéron auch das zweite Zähringer-Derby mit 4:5 in der Verlängerung verloren. Die Drachen gaben gegen den SC Bern einen Dreitorevorsprung aus der Hand.

Es gibt Niederlagen, die vergisst man schon am gleichen Abend wieder, weil die Stärkeverhältnisse auf dem Eis ziemlich unterschiedlich waren. Dann gibt es solche, die schmerzen den unglücklichen Verlierer noch Tage lang. Die vermeidbare Heimniederlage am Samstagabend gegen den Erzfeind aus der Bundeshauptstadt gehört für die Freiburger sicherlich zur zweiten Sorte. Wenn man bei Spielhälfte 3:0 führt und ein paar Minuten vor Schluss nochmals 4:3, sollte man eigentlich nicht mehr verlieren, sagte Gottérons Roman Cervenka ziemlich enttäuscht.

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Allein die Tatsache, dass man den Titelverteidiger an den Rand einer Niederlage brachte, zeigt doch auf, dass die Drachen auch vieles richtig machten. Am Ende fehlte den Saanestädtern auch etwas das Quentchen Schlachtenglück. Bern zeigte allerdings eine starke Leistung und war in den entscheidenden Phasen einen Tick kaltschnäuziger und effizienter.

Die Krux mit den Strafen

Wie gegen Kloten am Vorabend kassierte der SC Bern auch am Samstag gegen Gottéron trotz einigen klaren Fouls keine einzige Strafe. Das hinterliess einen etwas schalen Nachgeschmack, denn beim körperbetonten Spiel der Mutzen ist dies eigentlich ähnlich unwahrscheinlich, wie wenn der Sauber-Rennstall in der Formel 1 die WM gewinnen würde. Die Strafe gegen Laurent Meunier, als die Freiburger etwas überraschend 3:0 führten und bereits Benjamin Chavaillaz in der Kühlbox sass, war an den Haaren herbeigezogen und leitete später den Umschwung ein. Als der HCF wieder komplett war, hatte der Gast auf 3:2 verkürzt und neuen Mut geschöpft. Der SCB-Freiburger Tristan Scherwey sagte nach der Partie ehrlich, dass diese harten Strafen seine Mannschaft wieder ins Spiel zurückgebracht hätten. Selbstvertrauen, um dann noch zu gewinnen, habe man ja ohnehin genug.

 

Auch umstritten war eine Situation vor dem Tor von Pascal Caminada, eine Minute vor Schluss, als die Schiedsrichter ein klares Stockfoul an Julien Sprunger ein weiteres Mal grosszügig übersahen.

Zwei unsichere Goalies

«Wenn wir gegen Bern gewinnen wollen, muss bei uns fast alles optimal klappen», war ein erstes Fazit nach dem Match von Verteidiger Ralph Stalder, der im 12. Meisterschaftsspiel sein erstes Tor untergebracht hatte. Erstmals in dieser Saison spielte Got­­té­ron übrigens ohne seinen ausländischen Verteidiger Jonas Holos, der einem zusätzlichen Stürmer Platz machen musste. Ob sich das positiv oder negativ aufs Freiburger Spiel ausgewirkt habe, wollte Stalder nicht beurteilen. Aber wenn man zu Hause vier Tore erziele, sollte das eigentlich zum Sieg reichen. Freiburgs Goalie Barry Brust, wie auch sein Gegenüber Caminada, erwischte in diesem Match jedoch nicht seinen besten Tag, das eine oder andere Tor war zumindest nicht unhaltbar. Am schwersten wog dabei der Abpraller von Brust kurz vor Schluss, den Mason Raymond zum Ausgleich nutzte – in dieser Phase agierten die Gäste ohne Keeper und mit sechs Feldspielern.

Für die danach fällige Overtime gab dieser späte und etwas glückliche Ausgleich den Bernern zusätzlich Mumm. Und prompt schoss der beste SCB-Akteur Mark Arcobello dann auch noch den Siegestreffer. Jim Slater hatte ihm mit einem unnötigen Abliegen vor dem eigenen Goalie, diesen unhaltbaren Hocheckschuss ermöglicht.

Ralph Stadler nach der Derby-Niederlage.

Trainer Mark French, der erstmals mit seinem neuen Team in ein Overtime musste, hofft, dass seine Mannschaft aus den Fehlern bei den Gegentoren etwas lernt. Auch das 3:2 in der 32. Minute entstand nach einem Wechselfehler und war so gesehen ein halbes Geschenk an den Schweizer Meister. Überhaupt habe man in den letzten Spielen etwas die defensive Sicherheit verloren, dank der man in der Saisonstartphase manch knappes Spiel noch habe gewinnen können, sagte French.

War die Niederlage am Freitag in Langnau durch eine insgesamt ungenügende Leistung zustande gekommen, so konnten sich die Freiburger im Heimspiel gegen Bern steigern und waren dem SCB, der nur mit sechs Verteidigern antrat, über weite Strecken ein ebenbürtiger Gegner. Dass es am Ende nicht zum Sieg reichte, sah sowohl Trainer French als auch die Spieler Stalder und Cervenka in der fehlenden Routine in wichtigen Spielphasen.

Zuversicht trotz Niederlage

Trotz eines kleinen Zwischentiefs mit «nur» vier Punkten aus fünf Spielen hat Gottéron immer noch einen beachtlichen Vorsprung auf den Playoff-Strich. Für die Freiburger Protagonisten geht es nun darum, in den kommenden Spielen noch kompakter und ausgeglichener aufzutreten. Das temporeiche und spannende Samstagspiel gegen den auch dieses Jahr als grosser Meisterschaftsfavorit gehandelten SC Bern gibt jedenfalls Zuversicht, weiterhin die positive Überraschung der Saison 2017/18 zu bleiben können. Genau das kann das Team übrigens schon am kommenden Freitag im Heimspiel gegen Lugano erneut unter Beweis stellen.

Telegramm

Gottéron - Bern 4:5 n.V. (1:0, 2:2, 1:2)

6500 Zuschauer (ausverkauft). – SR Stricker/Urban, Gnemmi/Küng. Tore: 17. Sprunger (Cervenka) 1:0. 22. Stalder (Cervenka, Birner) 2:0. 24. Rossi (Slater, Leeger) 3:0. 32. Arcobello (Ausschlüsse Chavaillaz, Meunier) 3:1. 34. Rüfenacht (Ebbett, Caminada) 3:2. 49. Rüfenacht (Arcobello) 3:3. 55. Rossi (Rathgeb) 4:3. 59. Raymond 4:4 (ohne Torhüter). 61. (60:41) Arcobello 4:5. Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Freiburg, keine gegen Bern.

Freiburg-Gottéron: Brust; Rathgeb, Chavaillaz; Kienzle, Stalder; Glauser, Schilt; Leeger; Meunier, Slater, Schmutz; Rossi, Bykow, Mottet; Sprunger, Cervenka, Birner; Fritsche, Rivera, Vauclair; Marchon.

SC Bern: Caminada; Andersson, Krueger; Kamerzin, Noreau; Untersander, Burren; Bodenmann, Haas, Scherwey; Rüfenacht, Arcobello, Moser; Kämpf, Ebbett, Raymond; Meyer, Heim, Randegger.

Bemerkungen: Gottéron ohne Abplanalp (verletzt), Fritsche (gesperrt) und Holos (überzählig), Bern ohne Gerber, Berger, Blum, Hischier (alle verletzt), Pyörälä (überzählig) und Genoni (Ersatz). – Bern von 58:20 bis 58:50 ohne Goalie. – Torschüsse: 27:26.

Die FN-Besten: Rossi, Arcobello.