Eishockey 03.11.2017

«Mein Herz bleibt in Freiburg»

Nächste Saison wird sich Andrea Glauser nicht mehr das Trikot Gottérons überziehen.
Mit Andrea Glauser verlässt der einzige Deutschfreiburger im Team Gottéron nächste Saison. Der Club stellt den Verteidiger als Buhmann dar, der 21-Jährige ist aber überzeugt, dass ein Wechsel für ihn das Beste ist.

Andrea Glauser hätte gestern nach dem Training die eingesammelten Pucks wohl am liebsten wieder auf das Eis geworfen und noch einmal eingesammelt. Als jedoch die Eisreinigungsmaschine auf das Feld fuhr, musste auch der junge Sensler – als Letzter – das Eis verlassen und sich den wartenden Medien stellen.

Man könnte Andrea Glauser vom Typ her als «guten Jungen» bezeichnen. Gestern aber wurde er von seinem Club, der unbedingt den Eindruck vermeiden wollte, man habe es wieder einmal verpasst, ein einheimisches Talent an sich zu binden, ein wenig an den Pranger gestellt. «Seit mehreren Jahren hat der Club einen Karriereplan für den jungen Verteidiger erstellt», schrieb Gottéron im Communiqué, das den Abgang des 21-Jährigen bestätigte. «Der aktuelle Coaching-­Staff des Vereins hat seit Beginn der laufenden Saison auf Glauser, der nie zu den überzähligen Spielern gehörte, gesetzt und ihn gefördert.» Die Message des Clubs ist klar: Gottéron hat den jungen Sensler zu einem NL-Spieler geformt. Und jetzt, wo die Freiburger die Früchte ernten möchten, ist Glauser so undankbar, die Offerte auszuschlagen und bei der Konkurrenz zu unterschreiben. Gottérons Sichtweise ist durchaus nachvollziehbar – die Worte sind für einen Club, der in den letzten Jahren bei wegtransferierten Spielern gebetsmühlenartig wiederholte, so sei eben das Business, allerdings auch ein wenig heuchlerisch.

Wenig Eiszeit bei Gottéron

Es entbehrt deshalb nicht einer gewissen Ironie, dass Glauser auf die Frage, ob er verstehen könne, dass Gottéron beleidigt reagiert, antwortet: «Es ist kein Entscheid gegen Freiburg. Aber es ist ein Business, und jeder muss das machen, was für ihn persönlich das Beste ist.» Natürlich sei er Gottéron dankbar, genau wie er SenSee dankbar sei, wo er seine ersten Schritte im Eishockey gemacht hat, oder seinen Eltern, die ihn immer vom Training abgeholt haben.

Nun aber hat Glauser das Gefühl, dass ihm eine Luftveränderung guttut. «Es gibt Spieler, die haben bereits die ganze Schweiz gesehen. Ich hingegen war immer zu Hause, immer bei meinem Stammclub. Nun habe ich Lust, mich auf und neben dem Eis weiterzu­ent­wickeln.»

Glauser erhofft sich von seinem Wechsel auch mehr Eiszeit. Zwar war er in dieser Saison noch nie überzählig, mit 8:23  Minuten pro Spiel ist er jedoch bei Gottéron der Verteidiger mit der wenigsten Eiszeit. «Von mir aus gesehen bin ich bereit für mehr Eiszeit. Aber natürlich entscheidet das der Trainer, und ich will ihn deshalb auch nicht kritisieren.» Tatsächlich aber habe die geringe Eiszeit bei seinem Entscheid eine Rolle gespielt, auch wenn ihm bewusst sei, dass er nächste Saison vielleicht auch in Freiburg mehr Eiszeit erhalten hätte. Dass Gottéron mit Philippe Furrer letzte Woche einen Top-Verteidiger verpflichtet hat, habe den Entscheid allerdings nicht beeinflusst. «Als ich den Entscheid getroffen habe, wusste ich das noch gar nicht.»

Hier geht's zum Artikel über die aktuelle Kaderplanung.

Bekanntgabe am Montag

Wo Glauser hinwechselt, darf er noch nicht sagen. Sein neuer Club wird es am Montag kommunizieren. Vieles spricht für Langnau, wo der Verteidiger mit Sicherheit am meisten Eiszeit erwarten dürfte. Dass der Sensler gestern ins Mikrofon von Radio Freiburg auf die Frage des Journalisten, ob Langnau sein neuer Club sei, antwortete, es sei nicht Langnau, will dabei nichts heissen. Glauser wollte in dieser Situation ganz einfach nichts verraten. Und statt nichts zu sagen, sagte er schlicht das Gegenteil von dem, was die Frage suggerierte. Eine Episode, die zeigt, dass Glauser neben dem Eis manchmal noch ein wenig unbeholfen agiert. Ein Indiz dafür, dass bei seinem Entscheid wohl auch sein Berater ein gewichtiges Wörtchen mitgeredet hat. Sein Berater ist übrigens Ex-Spieler Sven Helfenstein. Dessen letzte Station in der NLA war … Langnau.

Gespräch mit Mark French

Andrea Glauser will nun die Gedanken um seine Zukunft fürs Erste aus seinem Kopf verdrängen. «Ich bin ja noch in Freiburg unter Vertrag und will hier noch alles geben.» Dass er nach der Ankündigung seines Abgangs noch weniger Eiszeit erhält, denkt er nicht. «Ich hatte ein Gespräch mit Trainer Mark French. Und er hat mir versichert, dass er ganz einfach jeden Abend die Spieler aufstellt, die seiner Meinung nach die grössten Chancen auf einen Sieg bringen.»

Glauser hofft auch, dass die Freiburger Fans Verständnis für seinen Entscheid haben. «Gottéron hat mit die besten Fans überhaupt. Ich weiss, dass einige nun von mir enttäuscht sind.» Ganz kalt lässt ihn das nicht, das ist zu spüren, Business hin oder her. «Ich bin einer von hier, mein Herz bleibt in Freiburg. Auch wenn ich natürlich alles geben werde, wenn ich in einem anderen Trikot gegen Gottéron spiele.» Er sei erst 21, vielleicht kehre er ja nach dem Ablauf des unterschriebenen Vertrags zurück, vielleicht sei er dann bereit, einer der Top-Verteidiger Gottérons zu sein. Nun wolle er sich aber erst einmal wieder voll auf die Gegenwart konzentrieren: «Ich werde meinen Vertrag mit voller Leidenschaft erfüllen, will mit Gottéron schnellstmöglich die Playoffs erreichen – und dann den Meistertitel holen.»

Aufstellung

Cervenka heute in Zug auf der Flügelposition

Für das Spiel heute Abend (19.45  Uhr) in Zug setzt Gottéron-Trainer Mark French auf eine neue Paradelinie. Roman Cervenka wird erstmals nicht als Center, sondern als Flügelspieler agieren. Als Center wird an seiner Seite Andrei Bykow spielen; komplettiert wird die Linie durch Matthias Rossi. «Roman hat die Gabe, dass er sowohl als Center als auch als Flügel spielen kann», sagt French. Die Bullys wird Cervenka dennoch spielen. Dank den 68  Prozent der Anspiele, die der Tscheche gewinnt, ist er einer der Hauptgründe, warum Gottéron das zweitbeste Bullyteam der Liga ist. French hat versucht, die zuletzt harmlose Offensive durcheinanderzuwirbeln. «Mein Ziel war es, zwei ausgeglichene, torgefährliche Sturmlinien zu bilden.» In der zweiten Linie spielen Michal Birner, Jim Slater und Laurent Meunier. 13. Stürmer dürfte der von Ticino zurückbeorderte Nelson Chiquet oder der immer unzufriedener wirkende Killian Mottet sein.

Fehlen werden am Wochenende die verletzten Julien Sprunger, Barry Brust und Nathan Marchon.

fm

 

Der heutige Gegner

Fakten zum EV Zug

• Zug hat mit Verletzungspech zu kämpfen. Mit Grossmann, Helbling und Alatalo fehlen gleich drei wichtige Verteidiger. Ebenfalls verletzt sind die Stürmer Klingberg und Diem.

• Der EVZ steckt zurzeit im Tief. Zuletzt verloren die Zentralschweizer fünfmal in Folge.

• Roe Garrett spielt bisher eine überragende Saison. In 16 Spielen hat er 7 Tore geschossen, 13 vorbereitet und sich eine Plus-11-Bilanz erarbeitet.

• Gegen Gottéron hat Zug zuletzt acht Mal in Folge gewonnen.

fm