Eishockey 04.11.2017

Gottéron gewinnt trotz Blackout

Gottéron um Goalie Ludovic Waeber hielt den Laden im Schlussdrittel dicht.
Gottéron hat gestern in Zug im Mitteldrittel innert dreier Minuten eine 4:1-Führung verspielt – und doch noch 6:4 gewonnen. Matchentscheidend war der überragende Paradeblock um Dreifachtorschütze Roman Cervenka.

Gottéron hat seine vier Spiele anhaltende Niederlagenserie gestoppt – und wie: Die Freiburger gewannen gestern in Zug ein zwar von Fehlern geprägtes, aber spektakuläres, mitreissendes und intensives Spiel in Zug mit 6:4.

Der EVZ war der perfekte Aufbaugegner für das zuletzt vor allem in der Offensive schwächelnde Gottéron. Zwar gehörten die Zentralschweizer in der jüngsten Vergangenheit zu den Angstgegnern der Freiburger, acht Mal in Serie hatte Gottéron vor der gestrigen Partie gegen den EVZ verloren, momentan sind die Zuger allerdings angezählt. Das Spiel gegen Freiburg nahm die Mannschaft von Harold Kreis mit fünf Niederlagen in Serie im Gepäck und ohne die wichtigen Verteidiger Timo Helbling, Robin Grossmann und Santeri Alatalo in Angriff. Absenzen, die zur Folge hatten, dass etwa der 20-jährige Franzose mit Schweizer Lizenz, Thomas Thiry im ersten Verteidigerpaar spielte. Für ihn war es erst das fünfte Spiel in der National League. Er spielt normalerweise ebenso mit der EVZ Academy in der Swiss League wie der 19-jährige Victor Oejdemark, der im dritten Verteidiger-Paar gar sein Debüt in der obersten Liga gab. Zur Formschwäche und dem Verletzungspech kam für die Zuger noch hinzu, dass die am Dienstag im tschechischen Brünn in der Champions Hockey League im Einsatz standen.

Frenchs Schachzug geht auf

Ein strauchelnder Gegner war der eine Grund, dass die zuletzt ins Stocken geratene Offensivmaschinerie der Freiburger gestern wieder Fahrt aufnahm. Der andere war Mark Frenchs Schachzug, die Paradelinie umzustellen und Roman Cervenka erstmals auf dem Flügel spielen zu lassen. Der Tscheche fühlte sich auf der Position, die er auch in der Nationalmannschaft meist innehat, sichtlich wohl. Zusammen mit dem vor Spielfreude strotzenden Andrei Bykow und Matthias Rossi harmonierte der Sturm bestens. In der Zeit, in der es gemeinsam auf dem Eis stand, erzielte das Trio nicht weniger als vier Tore – allesamt bei numerischem Gleichstand. Gottéron profitierte dabei auch davon, dass Zug-Torhüter Tobias Stephan nicht seinen besten Abend erwischte. So erzielte Dreifachtorschütze Cervenka das 1:4 etwa von hinter dem Tor via Schoner des Torhüters.

Dreiminütiges Blackout

Dieser Treffer fiel in der 25. Minute, zu diesem Zeitpunkt schien es ein ruhiger Abend für die Gäste werden zu können. Gottéron hatte alles im Griff, kam kurz darauf sogar zu einem Powerplay. Was folgte war allerdings nicht der Todesstoss, sondern gut drei Minuten totales Chaos bei den Freiburgern. Eingeleitet wurde Gottérons Blackout durch einen Riesenbock von Torhüter Ludovic Waeber. In Überzahl brachte er den Puck mit einem schlechten Pass zunächst nicht zum eigenen Mann, und als die Scheibe mit Glück doch wieder zu ihm zu kommen schien, liess er sie sich im letzten Moment von Fabian Schnyder abluchsen, der das 2:4 erzielte. Nur eine halbe Minute später kassierte Bykow im gegnerischen Drittel für einen unnötigen Faustschlag eine Zweiminuten-Strafe, die Zug prompt zum Anschlusstreffer nutzte. Trotz Timeout schien der Lerneffekt bei Freiburg allerdings gleich null. Wieder nur eine halbe Minute später schickte das in dieser Phase kleinlich pfeifende Schiedsrichterduo Koch/Piechaczek Christopher Rivera auf die Strafbank – wieder wegen übertriebener Härte, weil er nach dem Pfiff des Schiedsrichters noch einen Gegenspieler kurz attackiert hatte. Lino Martschini, zuvor zwölf Spiele lang ohne Tor, nutzte das Powerplay in der 32. Minute mit seinem zweiten Treffer zum 4:4. Seit dem zweiten Zuger Treffer waren erst 3:14 Minuten vergangen.

Rossis Plus-5-Bilanz

Es spricht für die Freiburger, dass sie sich von dieser Ohrfeige nicht vollends aus der Bahn werfen liessen. Behilflich war ihnen dabei, dass Cervenka drei Minuten nach dem Ausgleich einen Konter mit einem schönen Schuss ins Lattenkreuz abschloss und wieder etwas Ruhe ins Spiel der Gäste brachte.

Im Schlussdrittel gelang es Gottéron über weite Strecken, die ganz grosse Gefahr vom eigenen Gehäuse fernzuhalten. Allerdings mit Ausnahmen: Zweimal musste Ludovic Waeber in höchster Not retten, weil Viktor Stalberg (52.) und David McIntyre (54.) nach Stellungsfehlern der Freiburger völlig alleine auf den Torhüter ziehen konnten. 35 Sekunden vor Schluss war Matthias Rossi, für einmal nicht mit Bykow und Cervenka auf dem Eis stehend, dann mit dem Treffer ins leere Tor für die Entscheidung zuständig. Damit schloss der kräftige Stürmer die Partie mit einer bemerkenswerten Plus-5-Bilanz ab.

Heute gegen Davos

Nachdem die Freiburger damit die Negativserie gegen Zug beenden konnten, haben sie heute im Heimspiel gegen Davos die Möglichkeit, gleich den nächsten Angstgegner zu besiegen. Auch gegen die Bündner, die gestern gegen Bern unter die Räder gerieten, verlor Freiburg zuletzt sieben Mal. Schafft es Gottéron auch diese Serie zu beenden, könnte sich das Team von Mark French mit einem äusserst beruhigenden Vorsprung auf den Strich in die Nationalmannschafts-Pause verabschieden.

Telegramm

Zug - Gottéron 4:6 (1:2, 3:3, 0:1)

7100 Zuschauer (ausverkauft). - SR Koch/Piechaczek (SUI/GER), Küng/Obwegeser. Tore: 4. Cervenka (Bykow, Rossi) 0:1. 7. Martschini (Stalberg) 1:1. 15. Chavaillaz (Holos, Mottet) 1:2. 21. (20:14) Bykow (Rossi) 1:3. 25. Cervenka (Bykow) 1:4. 28. Schnyder (McIntyre/Ausschluss Fohrler!) 2:4. 30. Stalberg (Suri, Martschini/Ausschluss Bykow) 3:4. 32. Martschini (Diaz/Ausschluss Rivera) 4:4. 35. Cervenka (Bykow) 4:5. 60. (59:25) Rossi (Slater, Birner) 4:6 (ins leere Tor). Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Zug, 5-mal 2 Minuten gegen Gottéron.

Zug: Stephan; Diaz, Geisser; Schlumpf, Thiry; Oejdemark, Morant; Fohrler; Martschini, Roe, Stalberg; Lammer, McIntyre, Suri; Haberstich, Holden, Senteler; Schnyder, Kast, Forrer.

Gottéron: Waeber; Holos, Chavaillaz; Kienzle, Stalder; Rathgeb, Schilt; Glauser, Leeger; Rossi, Bykow, Cervenka; Meunier, Slater, Birner; Neuenschwander, Schmutz, Mottet; Fritsche, Rivera, Vauclair.

Bemerkungen: Zug ohne Alatalo, Diem, Grossmann, Helbling und Klingberg, Gottéron ohne Brust, Marchon und Sprunger (alle verletzt). – Timeouts: Zug (59:09); Gottéron (30.). – Schussstatistik: 30:37.

Die FN-Besten: Martischini, Cervenka.

Der heutige Gegner

Fakten zu Davos

• Der HCD hat gestern die Verträge mit dem amerikanischen Stürmer Broc Little und dem schwedischen Verteidiger Magnus Nygren um ein Jahr verlängert. Auch Stürmer Dario Simion bleibt den Davosern treu.

• Die Bündner haben die letzten sieben Spiele gegen Gottéron allesamt gewonnen.

• Perttu Lindgren fällt seit Wochen mit einer Hüftverletzung aus. Wann der Finne aufs Eis zurückkehren kann, ist völlig offen.

fs