Eishockey 15.03.2017

Es hätte ein Punkt mehr sein dürfen

Der Freiburger Tristan Vauclair (l.) kommt im Zweikampf gegen Langnaus Raphael Kuonen zu Fall.
Gottéron hat gestern in Langnau 4:3 nach Verlängerung gewonnen. Zwei Punkte waren ein Punkt zu wenig, um sich den Heimvorteil für den Playout-Final definitiv zu sichern und bis dahin Schlüsselspieler schonen zu können.

Hätte vor der Saison jemand vorausgesagt, Langnau stehe Mitte März besser da als Gottéron, wäre er belächelt worden. Und hätte sogar jemand gesagt, Langnau habe drei Runden vor Schluss der Relegationsrunde einen derart grossen Vorsprung auf Freiburg, dass die Emmentaler nicht einmal mehr rechnerisch eingeholt werden können, wäre er wohl für verrückt erklärt worden. Im Kader Gottérons scheint auf den ersten Blick deutlich mehr Talent zu sein, als in dem der auf die hinteren Ränge abonnierten Emmentaler.

Mit allen Leistungsträgern

Aber in dieser Saison wurden so manche Prognosen Lügen gestraft. Und so ging es für Freiburg gestern in Langnau einzig noch im Fernduell mit Ambri um den Heimvorteil für den am Dienstag beginnenden Playout-Final. Diesen Heimvorteil, und das ist für die Freiburger die schlechte Nachricht des gestrigen Abends, hat sich Gottéron trotz des 4:3-Siegs nach Verlängerung nicht definitiv gesichert. Weil Ambri gegen Kloten gewann, hätte Freiburg dafür einen Sieg nach regulärer Spielzeit benötigt. So aber beträgt Freiburgs Vorsprung auf die Tessiner zwei Runden vor Schluss nur fünf Punkte. Trainer Larry Huras wird sich deshalb gut überlegen müssen, ob er für das morgige Heimspiel gegen Kloten Schlüsselspieler schonen will und damit riskiert, dass es am Samstag im letzten Platzierungsrundenspiel beim Direktduell in Ambri noch um das Heimrecht geht.

Gestern entschied sich Huras jedenfalls dafür, nicht auf seine Leistungsträger zu verzichten. Einen gewichtigen Wechsel gab es einzig auf der Goalieposition, wo Dennis Saikkonen erstmals seit dem 23. Dezember in die Startformation rückte. Auch Langnau, das den Ligaerhalt bereits auf sicher hat, trat in Bestbesetzung an. Allzu sehr taten sich die Spieler auf dem Eis allerdings nicht weh. Abgesehen von einer Keilerei zwischen Andrea Glauser und Jewgeni Schirjajew in der 8. Minute spielten beide Mannschaften nicht mit der letzten Härte. Die Freiburger, um sich nicht für die wichtigen Spiele im Playout-Final zu verletzen, die Langnauer, um nächste Woche am Strand nicht mit blauen Flecken umherlaufen zu müssen.

Wende in Spezialsituationen

Man hätte deshalb denken können, es sei gegen einen Gegner, für den es nur noch um die goldene Ananas geht, die entscheidende Wende, als Gottéron im Mitteldrittel aus einem 0:1-Rückstand eine 3:2-Führung machte. Eine Wende, die Freiburg in erster Linie in den Spezialsituationen herbeiführte. In der 24. Minute machte Yannick Rathgeb mit seinem Powerplay-Tor zum 1:1 den Rückstand aus dem Startdrittel wett. Sechs Minuten später schoss John Fritsche die Gäste in Unterzahl erstmals in Führung. Für den normalerweise torungefährlichen Stürmer war es bereits der zweite Shorthander in dieser Platzierungsrunde. Auf den Langnauer Ausgleich reagierte Gottéron sieben Sekunden vor Schluss des Mitteldrittels mit dem 3:2 durch Roman Cervenka. Offiziell war es zwar kein Powerplaytreffer, das Tor fiel aber unmittelbar nach Ablauf der Strafe gegen Langnaus Topskorer Thomas Nüssli.

Fehlpässe und Stellungsfehler

Doch die Freiburger brachten den Vorsprung im Schlussdrittel nicht über die Zeit. Weil sich das Verteidigerduo Ralph Stalder/Lorenz Kienzle in der 51. Minute von Langnau-Stürmer Alexei Dostoinow wie Schulbuben übertölpeln liess und so den 3:3-Ausgleich ermöglichte. Es war nicht die einzige Situation, in der Freiburgs Defensive nicht den besten Eindruck hinterliess. Nebst teils haarsträubenden Fehlpässen im Spielaufbau waren auch zu viele Stellungsfehler im Spiel der Gäste. Zu oft kam ein Langnauer frei vor Saikkonen zum Schuss.

Dass Freiburgs Topskorer Julien Sprunger in den Verlängerung doch noch den 4:3-Siegtreffer schoss, änderte nichts daran, dass die Freiburger morgen im Heimspiel gegen Kloten mindestens einen Punkt brauchen, um sicher zu gehen, den Playout-Final nächsten Dienstag im heimischen St. Leonhard beginnen zu können.

Telegramm

SCL Tigers - Gottéron 3:4 n.­V. (1:0, 1:3, 1:0)

5439 Zuschauer. – SR Mandioni/Prugger, Bürgi/Kovacs. Tore: 4. Albrecht (Nüssli, Elo) 1:0. 24. Rathgeb (Cervenka/Ausschluss Schirjajew) 1:1. 31. John Fritsche (Ausschluss Mottet!) 1:2. 33. Schirjajew (Roland Gerber, Lukas Has) 2:2. 40. (39:53) Cervenka (Birner) 2:3. 51. Dostoinow 3:3. 64. (63:26) Sprunger (Cervenka, Rathgeb) 3:4.

Strafen: je 6-mal 2 Minuten.

SCL Tigers: Ciaccio; Zryd, Koistinen; Huguenin, Lashoff; Weisskopf, Flurin Randegger; Seydoux, Currit; Kuonen, Macenauer, Nils Berger; Elo, Albrecht, Nüssli; Dostoinow, Pascal Berger, Sven Lindemann; Roland Gerber, Schirjajew, Lukas Haas.

Freiburg-Gottéron: Saikkonen; Leeger, Marc Abplanalp; Rathgeb, Alexandre Picard II; Kienzle, Stalder; Schilt, Glauser; John Fritsche, Rivera, Tristan Vauclair; Sprunger, Cervenka, Birner; Caryl Neuenschwander, Chiquet, Neukom; Marchon, Mauldin, Mottet.

Bemerkungen: SCL Tigers ohne Blaser, Yves Müller und Stettler, Gottéron ohne Bykow, Chavaillaz, Maret, Flavio Schmutz (alle verletzt), Daniel Steiner (überzählig) und Vesce (überzähliger Ausländer). Sven Lindemann verletzt ausgeschieden (24.). – Pfostenschuss Cervenka (63:14).

Die FN-Besten: Albrecht und Cervenka.