Olympische Spiele 10.02.2018

Eishockey-Turnier mit Freiburger Touch

Gottéron-Spieler in Pyeongchang. Oben: Michal Birner (l.) und Roman Cervenka, unten: Jim Slater (l.) und Jonas Holos.
Aus Freiburger Sicht ist in Pyeongchang insbesondere das Eishockey-Turnier von Interesse. Dort steht nicht bloss der Freiburger SCB-Stürmer Tristan Scherwey im Einsatz, sondern mit Michal Birner, Roman Cervenka, Jim Slater und Jonas Holos auch noch ein Quartett, das bei Gottéron spielt.

Wenn am Mittwoch der Eishockey-Wettbewerb der Männer beginnt, ist das für Tristan Scherwey der Startschuss für das erste grosse Turnier seiner Karriere. Er reiste zwar bereits 2015 an die Weltmeisterschaft in Prag, spielte damals aber keine Sekunde. Nun also soll der 26-Jährige aus Courtepin in Pyeongchang in der vierten Sturmlinie der Schweizer versuchen, Energie in das Spiel zu bringen. «Es ist ein Traum, der in Erfüllung geht, und ich bin ehrlich gesagt stolz», sagt der Stürmer des SC Bern und gibt auch gleich zu, von den Emotionen übermannt worden zu sein, als ihn Trainer Patrick Fischer am Telefon über die Selektion informiert habe. «Ich hatte Tränen in den Augen.»

Scherweys Vorfreude

Neben dem emotionalen Wert, die eine Olympia-Teilnahme für Sportler fast immer hat, ist bei Scherwey auch die Vorfreude auf die Duelle auf dem Eis gross. «Ich liebe das internationale Eishockey, es entspricht meinem Spielertyp, weil es geradlinig, schnell und hart ist.»

In der Gruppe A trifft Scherwey mit der Schweiz auf Kanada, Südkorea und Tschechien. In der ersten Partie duelliert sich die Schweiz am Donnerstag gleich mit der Eishockey-Grossmacht Kanada. Auch ohne NHL-Spieler gehören die Nordamerikaner zu den Top­favoriten auf die Goldmedaille. «Es gibt viele gute Mannschaften, denen Gold zuzutrauen ist, aber verstecken müssen wir uns vor niemandem. Das hat die Schweiz in den letzten Jahren oft bewiesen», sagt Scherwey zur Ausgangslage.

Cervenkas dritte Teilnahme

Im letzten Gruppenspiel werden die Schweizer auf Tschechien treffen – und damit auf zwei Stürmer von Freiburg-Gottéron. Für Roman Cervenka sind es nach Vancouver 2010 und Sotschi 2014 bereits die dritten Olympischen Spiele. «Aber es ist immer wieder ein Highlight in der Karriere eines Sportlers», sagt Cervenka. Wie in Freiburg gehört der 32-jährige auch im Nationalteam zu den Leistungsträgern. Mit den 38 Toren, die er in seinen 139  Länderspielen erzielt hat, ist Cervenka der beste Torschütze in Tschechiens Olympia­team. In seinen zehn bisherigen Olympia-Einsätzen schoss er zwei Tore und gab zwei Assists.

Birners Erinnerungen an 1998

Ein Olympia-Neuling ist derweil Roman Cervenkas Teamkollege Michal Birner. «Es ist grossartig. Nun kann ich sagen, dass ich bei jedem grossen Turnier dabeigewesen bin», sagt der 31-jährige Flügelstürmer, der 2016 und 2017 bereits an den Weltmeisterschaften und vor eineinhalb Jahren am NHL-World-Cup teilgenommen hat.

«Wenn wir in der Schule waren, wurde der Unterricht gestoppt und wir schauten uns das Spiel an.»

Michal Birner

Tschechischer Nationalstürmer

 

Die Olympia-Teilnahme ist auch für ihn etwas ganz Besonderes. Das hat unter anderem mit einem Kindheitserlebnis zu tun. «Nagano 1998 ist für jeden Tschechen der grösste Moment der Eishockey-Geschichte. Niemand traute es den Tschechen zu, eine Medaille zu gewinnen – und am Ende gewannen wir Gold.»

Er spricht von «wir», war aber selbstverständlich nicht dabei, sondern war ein 11-jähriger Junge, der miterlebte, wie Übertorhüter Dominik Hasek die Tschechen im Final zum 1:0-Sieg über Russland hexte. «Es waren spezielle Wochen. Das ganze Land versammelte sich bei den Spielen der Mannschaft vor dem TV. In Europa war es Morgen, wenn die Spiele stattfanden. Wenn wir in der Schule waren, wurde der Unterricht während den Matches gestoppt und wir schauten uns gemeinsam das Spiel an. Es war unglaublich.»

Nun würde Birner gerne selbst eine Erfolgsgeschichte schreiben. «Wir haben eine gute Mannschaft, aber ohne NHL-Spieler ist es bei diesem Turnier besonders schwierig vorauszusagen, wer wie weit kommen wird.» Verstecken müssen sich die Tschechen auf jeden Fall nicht. Im 25-Mann-Kader stehen nicht weniger als 15 Spieler aus der KHL, hinter der NHL wohl die zweitstärkste Liga der Welt. Captain ist der 36-Jährige Martin Erat, der 881 NHL-Spiele auf dem Buckel hat.

Slater nur wegen Olympia überhaupt noch aktiv

Wie hoch der Stellenwert der Olympischen Spiele für Jim Slater ist, beweist die Tatsache, dass die Spiele in Pyeongchang der Hauptgrund dafür sind, dass er überhaupt noch Eishockey spielt. Nachdem sein Vertrag in Genf im Sommer auslief, stand der 35-jährige Stürmer im Sommer kurz davor, seine Karriere zu beenden und zu Frau und Tochter in die USA zurückzukehren. Als sich aber immer klarer abzeichnete, dass die NHL für die Olympischen Spiele nicht pausieren wird, sah er gute Chancen, dass sein Traum von einer Olympia-Teilnahme im Herbst seiner Karriere doch noch in Erfüllung geht.

Er entschied sich dafür weiterzumachen und landete bei Gottéron. Bevor er Ende Dezember erfuhr, dass er es ins Olympia-Team geschafft hatte, habe er die eine oder andere schlaflose Nacht durchlebt, dermassen aufgeregt sei er gewesen, verrät Slater. «Es ist schon eine sehr spezielle Geschichte, dass ich mit 35 noch zu so einer Premiere komme. Das ist ja ein Alter, in dem man nicht mehr mit solchen Dingen rechnet.» Die Teilnahme in Pyeongchang gehöre zu den absoluten Highlights seiner Karriere, so der Center, der 592  Spiele in der NHL absolviert hat. «Es ist ein Kindheitstraum, der in Erfüllung geht. Egal, ob als kleiner Junge oder als NHL-Profi: Bei Olympia sass ich immer vor dem TV – und nun bin ich mit 35 selbst erstmals dabei.»

Dabei sein ist für die Amerikaner allerdings keineswegs alles, die US-Boys sind ambitioniert. «Wie viele andere Teams, besitzen auch wir durchaus Chancen, die Goldmedaille zu holen», sagt Slater über sein Team, das eine Mischung aus in Europa tätigen Profis und aufstrebenden College-Spielern ist. In der Gruppe  B treffen die Amerikaner auf Russland, Slowenien und die Slowakei.

Holos in der Rolle des Aussenseiters

Keine Titelträume hegt Jonas Holos. Für sein Land Norwegen ist es bereits ein Erfolg, überhaupt bei den Olympischen Spielen dabei zu sein. Die Skandinavier mussten den Weg über die Qualifikation nehmen und liessen dort Frankreich, Kasachstan und Italien hinter sich.

Für den 30-jährigen Holos sind es bereits die zweiten Olympischen Spiele. 2014 in Sotschi war der Verteidiger von allen Spielern des Turniers derjenige mit der meisten Eiszeit. «Das liegt daran, dass wir in Norwegen nicht über derart viele Verteidiger von internationalem Niveau verfügen», sagt Holos. Tatsächlich sind nebst Mattias Norstebo von Frölunda Göteborg und zwei Verteidigern aus der Deutschen DEL nur Verteidiger dabei, die in der eher schwachen norwegischen Liga tätig sind. Holos wird somit auch in Südkorea wieder viel Eiszeit erhalten.

Norwegen wird in der Gruppe C gegen Schweden, Finnland und Deutschland einen schweren Stand haben. Nach der Gruppenphase wird dennoch nicht bereits Schluss sein. Der Modus des olympischen Eishockeyturniers ist speziell: Die drei Gruppenersten und der beste Gruppenzweite qualifizieren sich direkt für die Viertelfinals. Die übrigen acht Teams kämpfen in Playoff-Spielen um die übrigen vier Tickets.