Eishockey 06.09.2017

«Ein Team, das vor nichts Angst hat»

Christian Dubé: «Wir brauchen nun eine Winner-Mentalität.»
Charakter und Einsatz: Das sind die beiden Zutaten, die Gottéron zurück in die Playoffs bringen sollen. Sie sollen gar wahre Wunder bewirken: «Wir werden eine der besten Defensiven haben», stellt Sportchef Christian Dubé eine gewagte Prognose.

Der wichtigste Trumpf der diesjährigen Mannschaft? Gottérons Sportchef Christian Dubé muss nicht lange überlegen: «Charakter», sagt er gestern im Anschluss an die Vorsaison-Pressekonferenz im Gespräch mit den FN ohne zu zögern. «Das war ein wichtiges Kriterium während der Rekrutierungskampagne. Alle Neuverpflichtungen waren Leader in ihren vorherigen Mannschaften. Wir wollen ein Team sein, das vor nichts Angst hat.»

Vertrauen in die Defensive

Dieses Team soll «wieder zurück in die Playoffs», hatte Dubé zuvor die offizielle Zielvorgabe des Clubs formuliert. «Ausserdem wollen wir in dieser Saison auch den Schweizer Cup sehr seriös angehen und möglichst weit kommen.» Nebst dem sportlichen nannte Dubé auch ein allgemeines Ziel für die Equipe: Stabilität. «Ich habe grosses Vertrauen in den Staff und die Mannschaft. Alle arbeiten hart daran, damit wir defensiv wieder solid werden.»

Sie sollen dabei helfen:

Der neue Torhüter Barry Brust.

Der neue Verteidiger Jonas Holos.

Wie das gehen soll mit einer Verteidigung, die bis auf den Norweger Jonas Holos exakt dieselbe ist wie im letzten Jahr, als Gottéron die Schiessbude der Liga war? «Die Defensive betrifft alle Spieler auf dem Eis. In den letzten Saisons kam immer zu schnell eine gewisse Selbstzufriedenheit auf.» Das soll jetzt vorbei sein. «Wir brauchen nun eine Winner-Mentalität.» Das sei ein Wort gewesen, das von den Spielern in den Abschlussgesprächen der vergangenen Saison oft benutzt worden sei, sagt Dubé.

Er ist überzeugt, dass diese Winner-Mentalität automatisch zu einem besseren Defensivverhalten führt. Jedenfalls formulierte er nach der Pressekonferenz im Gespräch mit den FN den gewagten Satz: «Offensiv gehören wir wohl nicht zu den besten Teams, aber wir werden eine der besten Defensiven haben.» Dazu werde nebst Torhüter Barry Brust auch Trainer Mark French seinen Teil beitragen. «Seine Anweisungen sind sehr klar und detailliert. Es gibt keine Grauzonen, nur schwarz und weiss. Das macht es für die Spieler einfacher, das System zu befolgen.» Nebst Systemtreue müssten die Spieler vor allem eines in die Waagschale werfen: Einsatz. «Wir werden unsere Spiele nicht 6:0 oder 5:1 gewinnen, sondern uns jeden Punkt hart erkämpfen müssen.»

Hier geht's zur Analyse unseres Sportredaktors Matthias Fasel.

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Mit dem Team, das am Freitag gegen Genf in die Saison startet, ist Dubé grundsätzlich zufrieden. Man müsse halt immer mit dem Budget arbeiten, das einem zur Verfügung stehe. Und da gehöre Freiburg nun einmal zur zweiten Hälfte der Mannschaften in der National League.

Es fehlt ein Schweizer Stürmer

Zu hundert Prozent zufrieden ist Dubé dennoch nicht. «Das bin ich nie. Ich hätte gerne noch einen Schweizer Stürmer von Format.» Letztlich fehlt ein guter Stürmer im Team, weil Torhüter Reto Berra nach seinem überraschenden Abgang in die NHL im Sommer durch einen Ausländer ersetzt werden musste. Dadurch hat es im Sturm für einen Ausländer weniger Platz.

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Einen starken Schweizer zu finden, der diese Lücke schliesst, ist allerdings alles andere als leicht. Dabei verrät Dubé sogar, dass sein Umschlag für dieses Geschäft durchaus gut gefüllt sei. «Wir haben im Sommer Geld eingespart.» Insbesondere weil Brust weniger kostet, als es Berra getan hätte. «Aber man muss einen solchen Schweizer Stürmer erst einmal finden. Ich hoffe, dass sich während der Saison noch etwas ergeben wird.»

Captain Julien Sprunger ist ein Schweizer Stürmer - das Interview. (Abo-Artikel)

Ein Spieler, der in diesem Zusammenhang immer wieder erwähnt werden muss, ist Martin Plüss, der sich – unglaublich, aber wahr – immer noch nicht entschieden hat, wo und ob überhaupt er seine Karriere fortsetzen will. «Er ist im Moment kein Thema. Wir hatten zuletzt keinen Kontakt mehr», sagt Dubé dazu. Das ist kein kategorisches Nein und lässt den Schluss zu, dass Gottéron den 40-jährigen Center nur zu gern verpflichten würde. Stellt sich letztlich wohl unter anderem die Frage, ob der Umschlag selbst dafür gut genug gefüllt ist.

Einnahmen

Im letzten Moment Trikotsponsor gefunden

Gottéron hat bei der gestrigen Vorsaison-Medienkonferenz über diverse Dinge informiert.

 

Trikotsponsor: Vorgestern hat der Club im letzten Moment doch noch einen Trikotsponsor gefunden. Die Freiburger Getränkehandelfirma Allo­boissons hat einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Ob die Zeit noch reicht, um bereits am Freitag auf den Trikots vertreten zu sein, ist fraglich.

 

Jubiläum: Gottéron feiert in dieser Saison den 80. Geburtstag. Während der Saison wird es immer wieder Veranstaltungen im Rahmen dieses Jubiläums geben. Am Gründungsdatum selbst, dem 1. Dezember, gibt es eine grosse Feier. Zudem wird Gottéron an diesem Abend im Spiel gegen Kloten mit Retro-Trikots auflaufen.

 

Kapitalerhöhung: Gottéron will bis im April sein Kapital um eine Million Franken erhöhen. «Wir suchen neue Aktionäre. Das ist ein wichtiger Schritt, schliesslich wollen wir unbedingt, dass Gottéron der Club der Freiburger bleibt», sagte Präsident Michel Volet.

 

Schuldenabbau: Der Bilanzfehlbetrag Gottérons beläuft sich auf knapp eine halbe Million Franken. Die Freiburger werden versuchen, diese Schulden in den kommenden zwei Jahren zu tilgen, wie Präsident Michel Volet ausführte.

fm