Eishockey 11.03.2017

Ein Mann für den Abstiegskampf

Benjamin Neukom (in Schwarz) wie man in kennt: Mit vollem Einsatz mitten im Getümmel.
Er ist kein grosser Techniker, aber ein Kämpfer mit Herz: Gottéron-Stürmer Benjamin Neukom geht in Sachen Einsatz derzeit mit gutem Beispiel voran. Das wird sich auch heute nicht ändern – obwohl er auf seinen zukünftigen Arbeitgeber Langnau trifft.

Benjamin Neukom ist die Sorte Spieler, die im Abstiegskampf noch Gold wert sein können. Er fällt selten mit spektakulären Kabinettstückchen auf – dafür aber mit viel Einsatz. Und: Der 25-Jährige verfügt über viel Erfahrung im Überlebenskampf. «Mit Rapperswil war ich ja immer in der Relegationsrunde» sagt er mit desperatem Lächeln. Letztes Jahr kam er mit Gottéron zu seinen ersten und bisher einzigen Playoff-Einsätzen. Ansonsten ist er sich das deprimierende Gefühl gewohnt, nur im Fernsehen Playoff-Eishockey zu sehen. «Natürlich ist das deprimierend. In den Playoffs hast du positiven Druck, kannst Grosses erreichen. In der Relegation hingegen sind die Emotionen anders. Hier geht es um alles, und du kannst viel verlieren.» Motivation zu finden sei dennoch nicht schwierig. «Sich zu retten ist ebenfalls ein schönes Gefühl; es ist eine grosse Erleichterung für die Spieler, den Club und die Fans.»

Gegen Langnau besonders bissig

Es ist aber nicht bloss seine Erfahrung, die Neukom wertvoll werden lassen kann. Es ist vor allem: sein Charakter. Der wird sich auch heute wieder zeigen, wenn Gottéron auf Langnau trifft, das Team, bei dem Neukom für die kommenden beiden Saisons unterschrieben hat. Als die Freiburger vor drei Wochen letztmals auf die Emmentaler trafen, war Neukom noch einen Tick bissiger als ohnehin schon: Der Stürmer schreckte vor keinem Check zurück, legte sich mit seinen Gegenspielern (und damit zukünftigen Mitspielern) an und war immer zur Stelle, wenn es irgendwo Ärger gab. Fast so, als wolle er untermauern, dass er mit Herz und Kopf bis Ende Saison noch ganz bei Gottéron ist. «Ich versuche eigentlich, in jedem Spiel bissig zu sein», sagt Neukom. «Aber es sind natürlich schon spezielle Spiele für mich; der Gedanke, dass ich nächstes Jahr in Langnau spiele, ist immer im Hinterkopf. In den Direktduellen will ich meinem zukünftigen Arbeitgeber zeigen, dass ich ein wertvoller Spieler bin – und vielleicht den einen oder anderen über den Haufen fahren», sagt Neukom. Hat er keine Angst, dass sich das nächste Saison rächen könnte? «Nein, nein», sagt er mit einem Schmunzeln.

«Ich wäre gerne geblieben»

Zunächst einmal will er mit Gottéron möglichst schnell den Ligaerhalt schaffen. Das liege ihm am Herzen. «Die Zeit in Freiburg hat mir ja sehr gut gefallen, ich wäre auch gerne geblieben.» Eine Aussage, die stutzig macht. Bisher hatte es immer geheissen, Gottéron habe Neukom ebenfalls einen Vertrag angeboten, der Stürmer habe aber denjenigen von Langnau bevorzugt. Hat ihm Freiburg denn gar keinen Vertrag angeboten? «Doch, ich hatte auch eine Offerte von Gottéron.» Warum hat er dann in Langnau unterschrieben? «Da kommen immer viele Sachen zusammen. Etwas hat einfach nicht gepasst.» Dann wurde ihm in Freiburg schlicht kein guter Vertrag angeboten? «Doch, doch.» Aber? Neukom zögert, sagt letztlich bloss: «Wie gesagt, es hat nicht alles gepasst. Was genau kann und will ich hier nicht sagen.» Den wahren Grund für seinen Wechsel verrät Neukom also nicht, dafür die Schlüssel zum Erfolg im heutigen Spiel gegen Langnau: «Wir müssen versuchen, über viel Puckbesitz das Spiel in erster Linie in der Offensivzone stattfinden zu lassen.» Das wäre die Taktik; hinzu kommt die Attitüde: «Jeder muss sich aufopfern, hart arbeiten und sich in Schüsse werfen.» Benjamin Neukom wird mit gutem Beispiel vorangehen.

Langnau zu Gast

Dritter Sieg im dritten Spiel?

Will Gottéron noch den rettenden zehnten Rang erreichen, müssen die Freiburger die verbleibenden vier Spiele allesamt gewinnen und gleichzeitig auf Schützenhilfe von Ambri hoffen. Den Anfang will Gottéron heute (19.45 Uhr) zu Hause gegen Langnau machen. Wie Freiburg haben die Emmentaler ihre beiden bisherigen Platzierungsrundenspiele gewonnen. «Langnau spielt defensiv solid und ist stark in der Zone rund um das Tor», sagt Gottéron-Trainer Larry Huras. «Aber bei uns ist das Selbstvertrauen gross. Zuletzt funktionierten alle vier Blöcke ganz gut.» Umstellungen dürfte es nur wenige geben.

fm

Heute spielen

Gottéron - Langnau 19.45 Kloten - Ambri 19.45