Interview 29.05.2017

«Die Spieler müssen sich wohlfühlen»

Im Interview mit den FN spricht der neue Gottéron-Trainer Mark French über die Beweggründe für seinen Wechsel in die Schweiz, die Werte, die er als Trainer vermitteln will, und das Youtube-Video, auf dem er Schiedsrichter wüst beschimpft.

Noch weilt Mark French in seiner Heimat Kanada. Im Telefoninterview gewährte er den FN gestern Abend dennoch bereits einen ersten Einblick in seine Ideenwelt.

 

Mark French, warum haben Sie sich dafür entschieden, in Freiburg einen Zweijahresvertrag zu unterschreiben?

Es war eine schwierige Entscheidung, schliesslich wohne ich mit meiner Familie in Kanada. Aber ich hatte Lust, ins Profi-Eishockey zurückzukehren. Zudem ist mir, sobald ich mich vertieft damit auseinandergesetzt habe, klar geworden, dass die Qualität der Schweizer Liga sehr hoch ist. Und in den Gesprächen mit dem Club habe ich auch gemerkt, dass Gottéron ein Traditionsclub ist und die Stadt Eishockey liebt.

Wie würden Sie sich selbst als Trainer beschreiben?

Ich bin sicherlich jemand, der das Team immer in den Vordergrund stellt. Das verlange ich auch von den Spielern. Das ist meine klare Message. Ich liebe das Spiel, liebe es, jeden Tag daran zu arbeiten, damit mein Team besser wird. Und genau diesen Arbeitsethos verlange ich auch von meinen Spielern.

 

Gottérons Sportchef Christian Dubé nennt Sie einen modernen Trainer der neuen Generation. Was muss man sich darunter vorstellen?

Die Art des Coachings und der Umgang mit den Spielern haben sich im Eishockey sicherlich verändert. Auch wenn wie gesagt das Team im Vordergrund steht, ist es wichtig, dass man die Spieler gut kennt, man auf die unterschiedlichen Individuen und Charaktere eingeht. Das versuche ich. Ich brauche hoch motivierte Spieler. Deshalb muss ich für eine positive Umgebung sorgen. Die Spieler müssen sich wohlfühlen, nur in diesem Klima können sie ihr Spiel immer wieder verbessern.

In der Schweiz kennt man Sie vor allem aus einem Youtube-Video, auf dem Sie 2015 in der kanadischen Junioren-Liga lautstark die Schiedsrichter beschimpfen, vor ihren Augen einen Stock zerschmettern und daraufhin das Stadion verlassen müssen. Wird man Sie auch in Freiburg so emotional erleben?

Ach, dieses Video! (lacht) Nein, das ist definitiv eine Rarität. Das war damals eine ganz spezielle Situation, und ich wollte mich für meine jungen Spieler einsetzen, weil ich das Gefühl hatte, dass Sie ungerecht behandelt werden. Aber normalerweise formuliere ich meine Anliegen zwar klar, werde aber nicht so schnell laut. Vor allem auch im Umgang mit den Spielern.

Können Sie in einigen Worten beschreiben, was Ihre Idee von Eishockey ist?

Das ist eine schwierige Frage.

Es gibt zum Beispiel Trainer, die für Ihren Offensivstil bekannt sind, andere stehen für defensives Eishockey. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Ich würde mich weder der einen noch der anderen Gattung zuordnen. Wichtig ist die Balance. Klar ist allerdings: Du musst unbedingt gut verteidigen, um überhaupt eine Siegchance zu haben. Das ist die Basis von allem.

Sie trainierten in der Saison 2013/14 KHL-Team Medvescak Zagreb. Es war bisher Ihre einzige Europa-Erfahrung. Macht es einen grossen Unterschied, ob man ein europäisches oder ein nordamerikanisches Team coacht?

Ja. In meinem Jahr in Zagreb musste ich mich an viel Neues anpassen. Diese Saison hat mich aber definitiv zu einem besseren Coach gemacht, indem ich neue Taktiken und neue Arbeitsweisen gelernt habe. Aber mir ist klar, dass ich mich auch in der Schweiz wieder auf viel Neues einstellen muss.

Hier geht's zum Kommentar von Sportredaktor Frank Stettler.

Welches sind die grössten Unterschiede?

In Nordamerika orientiert man sich in Sachen Taktik natürlich immer an der NHL. Auf den grösseren europäischen Eisfeldern muss man im Vergleich dazu einige Anpassungen vornehmen. Defensiv stellt sich zum Beispiel die Frage, wie man auf dem grossen Feld aggressiv bleiben kann, ohne zu riskieren, dass man dann vom Gegner ausgespielt wird. Gleichzeitig habe ich aber das Gefühl, dass die Eishockey-Welt in den letzten Jahren kleiner geworden ist und sich die Spielertypen rund um die Welt immer mehr ähneln.

Haben Sie schon eine Idee, wen Sie als Assistenten haben möchten?

Nein, das wird in den nächsten Wochen sicher meine wichtigste Aufgabe sein. Es ist sehr wichtig, jemanden zu finden, der die gleichen Werte teilt wie der Club und ich.

Sie kennen die Schweizer Liga noch nicht. Suchen Sie einen Assistenten, der die Liga bereits kennt?

Das wäre nicht schlecht. Ich werde mich bald einmal mit Christian Dubé zusammensetzen, um über mögliche Kandidaten zu reden.

Wann kommen Sie nach Freiburg?

Der genaue Termin ist noch nicht definitiv, aber es wird irgendwann Mitte Juni sein. Es ist wichtig, dass ich nun die Spieler kennenlerne. Denn wie gesagt: Für mich ist es wichtig, dass ich auf die einzelnen Charaktere eingehen kann.