Eishockey 09.09.2017

Die neuen Trümpfe stechen

Gottérons neuer Goalie Barry Brust (r.) zeigte eine beeindruckende Leistung.
Ein leidenschaftlich verteidigendes Gottéron hat gestern Servette 2:1 besiegt. Hinten zeigte der neue Goalie Barry Brust eine gute Leistung, vorne setzten sich die Neuzugänge Matthias Rossi und Jim Slater in Szene.

«Wir werden eine der besten Defensiven haben», hatte Christian Dubé diese Woche gesagt und damit wenn nicht für Kopfschütteln, dann zumindest für Staunen gesorgt. Zumindest der gestrige Auftritt der Freiburger stützte die These des Gottéron-Sportchefs jedoch. Sie bewiesen, dass gute Defensivarbeit nicht bloss vom Talent der Verteidiger abhängt. Mit fast der identischen Abwehr wie letzte Saison lieferte Gottéron gegen ein gutes Servette eine grundsolide Defensivleistung ab und ebnete damit den Weg zu einem knappen, aber durchaus verdienten 2:1-Sieg.

Verteidigende Stürmer

Solidarität und Leidenschaft lautete das einfache, aber effektive Rezept vor dem eigenen Tor. War ein Freiburger ausgespielt, stand der nächste schon zur Stelle. Wie leidenschaftlich und diszipliniert auch die Stürmer verteidigten, veranschaulichte eine Szene in der 24. Minute, als der zurückgeeilte Julien Sprunger, der eigentlich primär für das Toreschiessen zuständig ist, Cody Almond in letzter Sekunde am Abschluss aus bester Position hinderte.

Sprunger spielte stark - hier geht's zum Interview mit dem Captain vor dem Saisonstart.

Dass mit einer ganz anderen Einstellung verteidigt wurde als über weite Strecken der letzten Saison, als Gottéron mit Abstand die meisten Gegentore aller Mannschaften kassiert hatte, zeigte sich auch an den vielen geblockten Schüssen. Und wenn doch einmal eine Scheibe auf das Tor kam, war im Tor der überzeugende Barry Brust zur Stelle. Beeindruckend war insbesondere zu sehen, wie gut der Kanadier das Spiel lesen kann.

Zwei Powerplay-Tore

So reichten den Freiburgern, die bei numerischer Gleichzahl ebenfalls kaum zu Chancen kamen, in der Endabrechnung zwei Powerplay-Tore zum Sieg. Bei beiden Treffern setzten sich zwei Neuzugänge bestens in Szene. Beim 1:0 passte Jim Slater von hinter dem Tor auf Matthias Rossi, der mit einem Direktschuss Christophe Bays ein erstes Mal bezwang. In der 33. Minute erzielte Yannick Rathgeb mit einem seiner gefürchteten Slapshots das 2:0. Wieder war Jim Slater entscheidend am Treffer beteiligt, indem er Bays die Sicht verdeckte. Slater war der beste Spieler auf dem Feld, stand über 20 Minuten auf dem Eis und überzeugte sowohl in Überzahl als auch in Unterzahl. In dieser Form ist der US-Amerikaner sicher mehr als bloss ein fünfter Ausländer und wohl auch bei einer Rückkehr von Roman Cervenka nur schwer aus dem Team zu denken.

Bis zum Ende des Mitteldrittels hatten die Freiburger im Anschluss noch eine heikle Phase zu überstehen, als Chris Rivera, der immer wieder durch unnötige Strafen auffiel, für einen hohen Stock im gegnerischen Drittel eine Zwei-plus-zwei-Minuten-Strafe kassierte. Doch die aufopferungsvoll kämpfenden Freiburger überstanden auch diese Situation schadlos. Dies obwohl Genf mit Henrik Tömmernes, Romain Loeffel und Johan Fransson allein schon an der blauen Linie drei Top-Powerplay-Spieler hat. Insofern ist es durchaus ein Qualitätssiegel für das Freiburger Boxplay, dass die Genfer keines ihrer fünf Überzahl-Spiele nutzen konnten. Nebst Slater stellte auch Laurent Meunier seine Qualitäten in Unterzahl unter Beweis.

Angeführt vom Norweger Jonas Holos, der fast jeden Zweikampf gewann, verteidigte Gottéron den Vorsprung im Schlussdrittel mehrheitlich souverän. Nur gerade dreimal schossen die Gäste im letzten Abschnitt auf das Tor des Heimteams. Einzig in der 53. Minute verteilten die Freiburger für einmal Geschenke. Zuerst vergab Andrei Bykow eine Grosschance zum 3:0, ehe im Gegenzug Jonathan Mercier frei zum Schuss kam und den Anschlusstreffer erzielte. Danach machten sich die Genfer das Leben mit Strafen allerdings selbst schwer, bis auf ein, zwei Halbchancen brachten die Gäste deshalb nichts mehr zustande. So durfte der während des Spiels ruhig gebliebene Hitzkopf Barry Brust nach dem Spiel doch noch seine provokative Seite ausleben, indem er den tobenden Genfer Fans genüsslich zuwinkte.

Hier geht's zum Gottéron-Quiz - viel Erfolg.

Eines brachte das gestrige Spiel ebenfalls ans Licht: Eine leidenschaftliche Mannschaft lässt den Funken in Freiburg schnell wieder auf das Publikum überspringen. So laut wie gestern war es im St. Leonhard letzte Saison wohl kein einziges Mal gewesen.

Heute die Kür in Bern?

Mit dem 2:1-Auftaktsieg untermauerten die Freiburger eine weitere These ihres Sportchefs. Man werde die Spiele nicht 6:0 oder 5:1 gewinnen, sondern um jeden Punkt hart kämpfen müssen, hatte er gesagt. Gegen ein spielerisch keineswegs schwächeres Genf war das gestern definitiv der Fall. Mit diesen drei Punkten auf dem Konto können die Freiburger heute mit breiter Brust und ohne bereits unter Druck zu stehen zum gestern spielfreien Meister nach Bern reisen. Das Soll ist für dieses Wochenende bereits erfüllt, mit einer ähnlich solidarischen Leistung liegt vielleicht sogar die Kür drin.

Telegramm

Gottéron - Genf-Servette 2:1 (1:0, 1:0, 0:1)

St. Leonhard. – 5587 Zuschauer. – SR Stricker/Urban, Borga/Fluri. Tore: 17. Rossi (Slater, Sprunger/Ausschluss Almond) 1:0. 33. Rathgeb (Birner, Slater/Ausschluss Fransson) 2:0. 53. Mercier (Wick, Simek) 2:1. Strafen: 5-mal 2 Minuten gegen Freiburg-Gottéron, 8-mal 2 Minuten gegen Genf-Servette.

Freiburg-Gottéron: Brust; Kienzle, Stalder; Holos, Chavaillaz; Rathgeb, Abplanalp; Glauser, Leeger; Sprunger, Slater, Birner; Rossi, Bykow, Mottet; Vauclair, Meunier, Schmutz; Fritsche, Rivera, Chiquet.

Genf-Servette: Bays; Tömmernes, Loeffel; Jacquemet, Fransson; Mercier, Bezina; Petschenig; Hasani, Almond, Gerbe; Riat, Romy, Spaling; Wick, Richard, Traber; Rubin, Maillard, Simek; Holdener.

Bemerkungen: Gottéron ohne Cervenka, Marchon, Neuenschwander und Schilt. Genf-Servette ohne Massimino, Antonietti, Weisskopf, Impose, Schweri (alle verletzt), Rod (NHL-Camp) und Vukovic (gesperrt).

Schussstatistik: 33:22

Die FN-Besten: Slater, Bays.

Der heutige Gegner

Fakten zum SC Bern

• Mit den verletzten Ramon Untersander, Eric Blum und Jérémie Kamerzin fehlen dem SC Bern heute gleich drei gestandene Verteidiger. Der Meister hat reagiert und mittels B-Lizenz Langenthals Aurélien Marti ins Kader geholt.

• Letzte Saison gewann der SCB alle vier Duelle gegen Gottéron.

• Die namhaftesten Neuzugänge der Berner sind die Stürmer Mason Raymond, Mika Pyörälä und Gaëtan Haas.

fm