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Nostalgie pur – Tschüss, Air Berlin

Bye bye, Air Berlin - eine Ära geht nach 40 Jahren deutscher Fluggeschichte jäh zu End und bewegt unzählige Fliegerherzen. In den dunklen Ecken des Flughafens Zürich geistert dabei gleichzeitig die verlorene Seele der Swissair umher.

Am Freitagabend des 27. Oktobers kam die letzte Maschine der Air Berlin mit der Flugnummer AB6210 aus München kommend in Berlin-Tegel sicher auf den Boden. Für Immer. Der emotionale und tränenreiche Abschied in Berlin bewegte die Medien und wohl nicht nur Flugbegeisterte. Obwohl Berlin und Zürich 700 Kilometer trennen, lag auch bei uns im Operation Center an diesem Freitag ein gewaltiger Funke Air Berlin in der Luft. Unter den Fliegenden war dies bereits seit Wochen das Gesprächsthema Nummer 1.

Sogar im Briefing für meinen Flug nach Athen an diesem Freitagnachmittag sprachen wir über den bevorstehenden letzten AB-Flug an diesem Abend. Das Mitgefühl für die fliegenden Kollegen der deutschen Fluggesellschaft war seit der Insolvenzmeldung unermesslich. Die Vorstellung, dass so viele Fliegende auf einen Schlag ihre Arbeit über den Wolken verlieren, berührte die Herzen. Unzählige Piloten und Cabin Crew Member welche derzeit in Zürich arbeiten, sind zuvor für die deutsche Fluggesellschaft geflogen, haben Freunde und Bekannte bei Air Berlin oder sind selbst oft in deren Maschinen gestiegen. 

Zudem sind Fälle wie diese ein Reminder, wie schnell es eben gehen kann. Denn im Hintergrund sickert immer noch ein einschneidendes Stück Schweizer Fluggeschichte hindurch: Das Grounding der Swissair im Jahre 2001. Viele Fliegende haben dies damals noch höchstpersönlich miterlebt, den restlichen Neulingen ist es ehrfürchtig bekannt. Und es geistert immer noch in den Terminals des Flughafens Zürich umher. Hie und da haucht es einem ein gefürchiges „Alles ist vergänglich!“ ins Ohr und hinterlässt für einen kurzen Moment ein Schaudern. Nicht nur die Ehrfurcht vor dem Grounding, sondern auch der Spirit der Swissair ist durchaus noch spürbar. Nostalgische Geschichten von langjährigen Fliegenden aus alten Flugzeiten bereichern mir oft den Flugalltag.

Hier geht's zu früheren Blogs von Gabriela Schaller.

Und vor kurzem habe ich bei meinem Vater ein klobiges, 250-seitiges Buch über die Swissair aus dem Jahre 1966 ausgegraben. Erstmals  entstaubt, habe ich es mit grossem Schmunzeln gelesen. Ja das waren noch Zeiten! Als Fliegen eine Seltenheit war, das Flugpersonal eine Woche in Rio verbrachte und die Stewardess die Gipfeli für die Passagiere in der Bäckerei besorgte. Und was ist davon geblieben? Charme, Prestige und Einzigartigkeit hat die Fliegerei seither sicher haufenweise eingebüsst.

Zur Bloggerin

Gabriela Schaller

Seit jeher von der Welt fasziniert, war ihr Studium der Germanistik & Anglistik stets durchzogen von längeren und kürzeren Reisen. Um dieser Leidenschaft mehr Raum zu geben, beschloss sie spontan für einige Zeit als Stewardess um den Globus zu fliegen. Ihr zu Hause ist in der Welt, ihre Heimat bleibt jedoch Freiburg, wohin sie immer gerne zurückkehrt.

Trotzdem ist der Reiz immer noch da. Was Curt Riess 1966 zum Beruf der Stewardess schrieb, fühlt sich 50 Jahre später noch genau gleich an, manche Dinge bleiben einfach: 

„Für keinen der Crew ist so ein Start Grund zur Nervosität oder gar zu gehobenen Gefühlen. Wie oft haben sie das alles schon mitgemacht! Es ist ein wenig so, wie wenn Arbeiter an ihren Arbeitsplatz in der Fabrik treten, oder Sekretärinnen sich vor ihre Maschine setzen, oder Briefträger beginnen, die Post auszutragen. Es ist ihr Beruf; nicht mehr, nicht weniger. Sicher ist es das erste Mal - für jeden gab es ja ein erstes Mal -  anders, ganz anders gewesen. Aber das ist schon so lange her! Damals war es ein grosses Abenteuer, zu fliegen oder mit dabei zu sein, wenn geflogen wurde. Damals haben sie sich darauf gefreut, die Welt zu sehen. Paris, London, New York, Nizza, die Alpen, die Meere, die Wälder, die aus den Wolken auftauchen, die Häuser der Dörfer, die wie Spielzeuge wirkten.“
(Riess Curt: Swissair. Von «fliegenden Kisten» zum Jet, Zürich: Schweizer Verlagshaus AG 1966.)

 

Mehr zur Fliegernostalgie: Ziemlich amüsant ist das erste aufgezeichnete Interview mit einer Stewardess der Swissair aus dem Jahre 1938 - hier geht's zum Audio-Beitrag auf SRF. 

Hier eine kleine Fotosammlung der ersten Stewardess Europas, Nelly Diener, welche für die Swissair in der Luft war. 

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