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Grüessech wouh und Adiö!

Grüezi! Aieee, das schmerzt in meinen Freiburger Ohren. Und doch muss ich zugeben: Es ist mir schon selbst aus Versehen rausgerutscht.

Die Begrüssung der Passagiere an Bord gestaltet sich als Mantra: XXX Mal „Grüessech,  grüessech wouh, gueta Tag... GRÜEZI!“ Ouuups jetzt ist es passiert. Es steckt an. Wenn das mitbegrüssende Flight Attendant neben dran vollkommen natürlich lächelnd mit „Grüezi“ um sich wirft, läuft das plötzlich auf mich über. Gesagt ist gesagt.

Als mir das Malheure zum ersten Mal passierte, war ich in der ersten Sekunde etwas perplex. Ich grübelte noch einige Zeit erstaunt über die unbewusste Äusserung dieses Wortes nach, das so in meinem Wortschatz eigentlich gar nicht existiert. Es war gar so als hätte ich jemanden betrogen - den eigenen Dialekt. Als Freiburger ist man eher Exot unter den Flugbegleitern in Zürich. Natürlich schwärmen die Flight Attendants aus der ganzen Schweiz zum Flughafen. Auch Gleichgesinnte aus dem Kanton Freiburg, aber vor allem Kollegen aus Bern (geheime Verbündete) habe ich bereits angetroffen.

Tendenziell stammt die Mehrheit jedoch aus dem Grossraum Zürich, Aargau, Innerschweiz und natürlich aus Deutschland. Stolz hupen die Deutschen gekonnt „Grüezi!“, haben sie doch ein grosses Stück Swissness erlangt mit dem Gruss der Grüsse. Und wir mit unserem „Grüessech wouh“? Das Freiburgerdeutsch, präziser das Senslerdeutsch, kommt grundsätzlich gut an in Zürich und gleichzeitig wird es sofort als exotisch deklariert („Uiii und vo wo chunsch dänn du?“). Oftmals höre ich „jööh“, „sympathisch“, „einzigartig“ oder aber die Frage, ob denn meine Eltern Bauern seien.

Das Klischee besteht. Und noch eine Auswahl mehr: Wir sind alle bilingue. Wir wären insgeheim lieber Berner. Wir stinken. Die Kühe sind schöner als die Frauen. Einige davon werden zum Glück nur mit einem Augenzwinkern erwähnt. Als Konter habe ich natürlich immer amüsante Züri-Klischees auf Lager. Aber die kennen wir ja alle. Positives bekommen wir selbstverständlich auch zu hören: Wir seien lockerer, sympathischer, offener als die Kollegen aus der Nordschweiz. Ein welscher Einfluss? Das könnte sein, aber das lassen wir offen.

Sympathie hin oder her, Verständigungsprobleme sind vorprogrammiert. Vor Kurzem hat mir eine Flugbegleiterin aus Zürich gesagt, sie verstehe mich wirklich ganz schlecht. Oje oje. Aber ich musste lachen, da sie dies erst nach der Rückkehr aus Boston erwähnt hat und ich mir vorgestellt habe, wie sie auf beiden Flügen jeweils 8 Stunden Mühe hatte mich zu verstehen. „Häpperestock“? Und was meint sie mit „omi“, „wui“ und „ai“? Komisch... Ein anderer Flugbegleiter hat partout nicht aufgehört zu lachen, während ich mit ihm diskutiert habe. Zuerst etwas irritiert, musste ich schlussendlich auch lachen und kam zum Schluss, dass ich mit ihm wohl besser lache als rede.

Ein Fazit der Dialekte: Gerade in einem so internationalen Betrieb wird bewusst, dass wir nicht nur von der Schweiz nach Amerika fliegen und zwischen Deutsch und Englisch switchen. Wir beschäftigen uns auch damit, dass der Kollege Züridüütsch spricht und ich Seislertütsch. Es öffnen sich Türen, die schöne Schweizer Vielfalt bringt Abwechslung, Lacher sind garantiert und schlussendlich ist man dadurch verbunden - und doch ganz anders. Uf Widerluege? Nei, Adiö!

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