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Fiese akustische Geschwister

Papa Hotel Tango Juliett - Tanzt da etwa Papa mit Juliett einen flotten Tango im Hotel? Das ginge noch, aber hoffentlich sitzt der gute Herr Meyer auf Sitz 31/Charlie nicht wirklich auf Charlies Schoss.

Heisst der Herr auf 31/C nun Meyer oder war es doch Feyer? Akustische Missverständnisse entstehen sehr schnell, in Paarung mit Lärm, Stress und dem bunten Mix von verschiedenen Sprachen sowieso. In der Fliegerei dürfen jedoch kommunikative Störungen auf keinen Fall passieren. Also werden Buchstaben zu Worte!

A und H sind nun keine akustischen Geschwister mehr, sie sind nicht einmal mehr ferne Verwandte: Alpha und Hotel können unmöglich verwechselt werden. Um eben akustische Missverständnisse zu vermeiden, wurde ein internationales Sprechfunk- und Buchstabieralphabet entwickelt.

Die Worte wurden so gewählt, dass diese in möglichst vielen Sprachen jeweils ziemlich gleich ausgesprochen werden. Für uns Laien hört es sich wie eine fremde Sprache an, wenn die Piloten flüssig und in raschem Tempo lange Codes ins Mikrofon murmeln. Das internationale Fliegeralphabet beherrschen diese besser als die eigene Muttersprache, schliesslich ist es essentiell für die tägliche Kommunikation zwischen Cockpit und Aussenwelt. Innerhalb der Kabine machen wir etwas weniger Gebrauch davon, aber trotzdem trägt es zum besseren Verständnis bei. Es lässt sich einfacher registrierten, ob es nun um den Sitzplatz 29 Delta oder Echo geht, als wenn nur von D oder E die Rede ist. Denn auch D und E sind akustisch sehr fiese Geschwister!

Zur Bloggerin

Gabriela Schaller

Seit jeher von der Welt fasziniert, war ihr Studium der Germanistik & Anglistik stets durchzogen von längeren und kürzeren Reisen. Um dieser Leidenschaft mehr Raum zu geben, beschloss sie spontan für einige Zeit als Stewardess um den Globus zu fliegen. Ihr zu Hause ist in der Welt, ihre Heimat bleibt jedoch Freiburg, wohin sie immer gerne zurückkehrt.

 

Nebst dem praktischen Zweck kann das Alphabet der Lüfte aber auch ganz schön amüsant sein. In langen Flugstunden damit zu dichten, das weckt den kreativen Geist etwas auf. Schon nur einmal den eigenen Namen zu buchstabieren lässt beinahe hochpoetische Adern schlagen, fast à la Goethe: Golf Alpha Bravo Romeo India Echo Lima Alpha. So plötzlich wird dem eigenen Namen ein indisch-peruanischer Touch verleiht! Und rhythmisch ausgesprochen klingt das doch ganz schön poetisch.

Ach, ein kleiner Hauch Poesie existiert also doch im Flugzeug, wie wunderbar! Hier von Alpha bis Zulu: Alpha - Bravo - Charlie - Delta - Echo - Foxtrot - Golf - Hotel - India - Juliett - Kilo - Lima - Mike - November - Oscar - Papa - Quebec - Romeo - Sierra - Tango - Uniform - Victor - Whiskey - X-ray - Yankee - Zulu. Viel Spass beim Dichten!

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