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Trüffelmarkt in Murten

Die Tage werden kürzer, der erste Schneeregen hat das Flachland erreicht, es ‚vorweihnächtelet‘

Die Bäume haben kein Laub mehr, die Felder sind abgeernet, auf einigen warten Zuckerrüben auf ihren Transport in die Zuckerfabrik, am Strassenrand werden Kürbisse in allen Grössen und Formen feilgeboten. Hie und da hat ein Wagemutiger oder Ungeduldiger bereits seine Weihnachtsbeleuchtung installiert, noch fällt sie auf, in ein, zwei Wochen wird sie lediglich Beachtung finden, wenn sie ausserordentlich originell, sehr schön oder extrem hässlich ist.

Die Tage werden kürzer, am Schwarzsee machte ich vor einigen Tagen den ersten Spaziergang der Saison im Schnee und heute roch es, als ich am Morgen das Haus verliess, auch in Murten nach Schnee.

Der Gedanke an das Jahresende, an Weihnachten und Festivitäten lässt sich nicht länger verdrängen. Bald wird jede Strasse, jedes Geschäft und beinahe jedes Haus in festlichem Glanz erstrahlen. Es wird sein wie jedes Jahr: Lichter hier und Glitter da, rot gewandete Kläuse, die an Fassaden hochklettern und über Balkonbrüstungen steigen, Weihnachtsmusik, die einen aus jeder offenen Geschäftstür entgegenklingt.

Ich spaziere zur Bodenmünzi, der Himmel ist grau wie der See und ich hänge meinen Novembergedanken nach. Der Winter ist nicht meine bevorzugte Jahreszeit. Den trüben November empfinde ich als bedrückend den Dezember als zu hektisch und der Januar – und an den mag ich noch gar nicht denken – ist kalt, dunkel, lang und ohne den Glanz, der den Dezember trotz allem erträglicher macht. Wir haben Mitte November und so langsam tastet man sich an alles heran, was vorweihnächtlich auf einen zukommt. Die Einstimmung auf die Weihnachtsmärkte ist bereits in vollem Gange: In einer Woche ist der Zibelemärit in Bern, der wie jedes Jahr abertausende Schaulustige und Zwiebelliebhaber anlocken wird. Zudem hatten wir die Martinsmärkte, nun folgen die ersten Advents- und nicht zuletzt die Trüffelmärkte.

Später gehe ich Richtung Stadt, in der Hautgasse steigt mir ein bekannter Geruch in die Nase, den ich nicht sogleich einzuordnen weiss. Doch dann sehe ich den Maronistand und der Duft löst Erinnerungen an die Kindheit aus und natürlich kann ich nicht an dieser Winterköstlichkeit vorbeigehen, ohne eine kleine Tüte zu kaufen. Die Maronis sind heiss und lecker und süss.

Ich biege in die Rathausgasse ein und da dringt ein anderes Aroma in meine Nase. Natürlich! Heute ist Trüffelmarkt. Es hat beinahe gleich viele Hunde wie Menschen. Die Menschen sind vorwiegend weiss, europäischer Herkunft, die Hunde haben überwiegend ein gekräuseltes, leicht öliges Fell, ihre Ursprungsherkunft ist Italien, ihre Rasse nennt sich Lagotto Romagnolo.

Die Hundehaltung ist, wie auch die Nahrung, die Kleidung, die Wohn- und Lebensform, Modeströmungen unterworfen. Als ich ein Kind war, hatten die Menschen Dackel und Pudel, wenn es ein grosser Hund war, dann ein Schäferhund. Später war der Cocker Spaniel en vogue, ihm wurde der Platz streitig gemacht vom Golden Retriever und Labrador. Heute sieht man viele kleine Hunde, wie den Chihuahua oder die französische Bulldogge und – ein wenig grösser und höher auf den Beinen - den Lagotto.

Zu früheren Zeiten wurden für die Trüffelsuche Schweine eingesetzt. In Italien sind sie seit 1982 verboten, weil sie zu grossen Schaden anrichteten. Seit die Suche nach den schwarzen Knollen zum Volkssport wurde, jagt der Mensch diesen besonderen Pilz vorzugsweise mit Hund, eben mit dem Lagotto. Vielleicht hat zur Popularität des Lagottos auch beigetragen, dass er zu der Familie der Wasserhunde gehört und Obamas Familienhund ein portugiesischer Wasserhund war. Und in diesem Zusammenhang komme ich nicht umhin festzustellen, dass es doch erstaunlich und interessant ist, dass sich in den letzten 200 Jahren die Präsidenten Amerikas immer Haustiere gehalten hatten, bis der jetzige Präsident mit dieser Tradition brach. Was einen zu anderen Überlegungen verleiten könnte ... aber bleiben wir doch beim Trüffelmarkt in Murten.

Die Trüffel wurde in den letzten Jahren zu einer Delikatesse, die nicht länger nur Reichen vorbehalten ist – ausser der Albatrüffel, die einen Kilopreis von mehreren tausend Franken hat.

Trüffelmärkte, so werde ich an einem Stand aufgeklärt, gibt es in der Schweiz erst seit etwa zehn Jahren. Angeboten werden Köstlichkeiten wie Trüffelbutter, -käse, -caramel, -wurst, -zopf, -polenta, -risotto, -filet und noch einiges mehr. Ich degustiere ein paar Häppchen und kann dann auch dem ersten Glühwein der Saison nicht widerstehen.

Der Glühwein wärmt und ich freue mich auf einen Teller Pasta mit Trüffelbutter am Abend. Auf dem Heimweg komme ich an der Eisbahn vorbei, ich schaue den Eisläufern zu. Eine junge Frau dreht perfekte Pirouetten, ein paar Buben spielen Eishockey, an einem Tisch neben der Eisbahn trinken Männer Weisswein und zwei Frauen unterhalten sich in Decken gehüllt bei einer Tasse Tee.

Natürlich liegt den Märkten wie auch der Eisbahn am Stadtrand Murtens und dem Maroin- und Apfelpunsch-Stand ein kommerzielles Interesse zugrunde. Aber oft ist zu spüren, dass diese Menschen, die Trüffelbutter, Zwiebelzöpfe oder Rüeblitorte verkaufen, auf der Eisbahn Schlittschuhe herausgeben oder den Weisswein nebenan servieren, dies auch deshalb tun, weil es ihnen Freude bereitet. Weil sie den Kontakt mit anderen Menschen mögen und es ihnen ein Anliegen ist zu teilen, was ihnen Spass macht.

Sie machen dadurch für mich und viele andere die dunklen, kurzen Wintertage etwas heller und freundlicher.
Danke!

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