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Mut zum Hut!

„Schappo“ – ich ziehe den Hut!

Seit ein paar Wochen bin ich stolze Einwohnerin Murtens. Die Stadt ist wunderbar gelegen, die Altstadt altehrwürdig, der See klein und beschaulich und der gegenüberliegende Mont Vully mit seinen sanft geschwungenen Rebbergen kann zu Recht als lieblich bezeichnet werden. Dazu kommt, dass die Stadt bilingue ist. Deutsch und französisch vermischen sich und ergeben eine charmante mélange aus deutschschweizerischer Bodenständigkeit und savoir vivre der Romands. Egal, ob der Deutschsprachige französisch spricht oder umgekehrt, der accent ist reizend und verständigen kann man sich zur Not auch mit Händen und Füssen.
Was jedoch mein Herz für Murten endgültig entflammte, war etwas völlig anderes! Diese kleine, malerische Stadt offenbart mir eine enorme Dichte an Geschäften, die Hüte anbietet. Richtige Hüte, nicht diese laschen Mützen oder Kappen, diese unförmigen Dinger, die zu nichts anderem taugen, als vor Regen oder Sonne – meist unzulänglich – Schutz zu bieten. Nein, in Murten hat es Hüte, wie man sie auch in London oder Paris findet, gross wie Wagenräder, hoch wie eine Hochzeitstorte, aus Stoff, Leder, Stroh, Seide, in allen Farben und Formen, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wer, so mag sich der Leser, die Leserin fragen, trägt heute noch Hut? Ausserhalb Murtens beinahe niemand, ich muss dem kundigen Leser leider recht geben. Aber ich hoffe und wünsche, dass sich dies ändern wird. Denn was ist stilvoller und eleganter, als sein Outfit mit einer passenden Kopfbedeckung ins rechte Licht zu rücken! Trägt Mann oder Frau Hut, ist die Haltung aufrechter und der Schritt beschwingter. Wenn die Kopfbedeckung zudem mit einer Feder, einem im Wind flatterndem Band, einer dekorativen Masche oder einem kleinen Schleier ausstaffiert und nicht langweilig schwarz oder grau ist, erfreut sie garantiert jedermanns Auge. Ein schöner Hut hebt die Stimmung, sowohl des Behuteten als auch des Betrachters.
So komme ich nicht umhin mich zu fragen, ob die Freundlichkeit und Offenheit der Murtener möglicherweise weder in der Zweisprachigkeit noch der geografisch zweifelsohne schönen Lage gründet. Eventuell ist es schlicht die Grosszügigkeit des Hutangebots, das ihn zu einem wohlwollenden, aufgeschlossenen Menschen macht. Ich überlege mir, ob es so einfach ist: Liegt das Übel unserer oberflächlichen und oft unachtsamen Gesellschaft darin, dass keine Hüte mehr getragen werden? Denn wenn dem so wäre, plädierte ich für mehr Hutgeschäfte in der Schweiz. Schauen Sie sich die Murtener an, würde ich in meiner Petition auffordern, nehmen Sie sich ein Beispiel an ihnen: Haben auch Sie mehr Mut zum Hut!

Kommentare zu diesem Artikel

Cornelia Willi

grossartig
behutet behütet
Hut macht Mut
aufrecht elegant schwungvoll schreiten
Accessoire-Kick

Maria Joos

Chapeau, Karin. Gut gebloggt! Erwarte dich zu unserem Treffen mit Hut, damit es ins richtige Licht gerückt wird.