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Lichtfestival 2018

Den Monat Januar assoziiere ich mit kurzen, kalten Tagen, unattraktiven Schaufensterauslagen, einem leeren Portemonnaie, zu vielen Rechnungen und Müdigkeit. Ein Lichtblick im Januar allerdings ist Murtens Lichtfestival.

Die letzten Vorbereitungen, stellte ich letzte Woche auf einem Spaziergang fest, liefen auf Hochtouren und selbst Sturm Burglind und Evi vermochten dem geschäftigen Treiben in den Gassen keinen Einhalt zu gebieten.

Am 17. Januar gehörte das Festival offenbar ganz den Murtnern, es waren erstaunlich wenige Leute unterwegs. Vielleicht getraute man sich der Winterstürme wegen, die uns zurzeit heimsuchen, nicht auf die Strasse, doch selbst die zeigten ein Einsehen und pausierten.

Im Schlosshof erwartet mich das holographische Windspiel und ich kann Ihnen versichern, liebe Leser und Leserinnen, Sie brauchen keine Drogen mehr, um in eine surreale Welt entführt zu werden! Augen zwinkern durch Nebelschwaden, über den Boden gleiten Lichtsterne, die ich am liebsten eingefangen würde, farbige Lichter erinnern an die Aurora borealis. Was ist real, was Traum ... welch fantastisches Spektakel!

In der Hauptgasse begrüssen mich seltsam anmutende Töne, sie könnten aus den Tiefen der Ozeane oder dem Weltall kommen. Dominiert wird die fast leere Gasse von einem riesigen, an Stricken festgemachten, Flugobjekt. Ist es ein rosa Wal, ein gigantisches Kondom oder ein unförmiger Zeppelin? Was tanzt da mitten in der Gasse durch die Luft, wiegt sich hin und her zu sphärischen Lauten?

Schauen und staunen, schmunzeln und die Bilder in sich aufnehmen. Warm eingepackte Menschen, ein fliegender Wal, die alten Häuser und über uns der Himmel voller Wolken.

Nach dem Selfie Point – selbstverständlich geht es auch hier nicht ohne Selbstdarstellung! – lockt der Ballsaal mit Musik und verführerischen, originellen und lustigen Kostümen, die an den Bäumen hinter der französischen Kirche hängen. Sie wiegen flatternd zu der Musik im Wind und verleiten mich und meinen Liebsten zu ein paar Tanzschritten.

Natürlich lassen wir uns von der Installation „sages comme des images“ verzaubern, tauchen ein in dieses Kuriosum, in die Welt des Zirkus und des Klamauks – und ganz nebenbei werden auch Erinnerungen an die Schulzeit geweckt.

An der Bar strahlt uns die nette Bedienung an, als würde auch in ihr ein Lichtlein brennen. Der weisse Glühwein schmeckt köstlich und da die Strassen nicht vollgestopft sind, gibt es noch anderes zu entdecken. Zum Beispiel das spassige Plakat bei der Metzgerei, auf welchem fein duftende „Leuchtwürste“ angeboten werden, oder einen wunderhübschen Hut in dem kleinen Geschäft in der Gasse bei der deutschen Kirche, den ich ganz sicher demnächst einmal anprobieren will. Der Teeladen ‚l’heure du thé‘ lädt zum Eintreten ein und wir dürfen den selbstgebrauten Glühwein kosten und bekommen eine kleine Lektion zum Thema Tee und feinen Biscuits.

Zum Glück habe ich noch viele Abende vor mir, an denen ich das Fest des Lichts erkunden kann. Schliesslich will ich sehen, wie sich das „Lampenmeer“ vermehrt und meine Wunschlaterne will gewassert werden.

Ich freue mich, dass Murtens Lichterglanz mir die restlichen Januartage erhellt und verkürzt und wenn das Festival vorbei ist, das ist klar, steht der Frühling schon fast vor der Tür.

 

www.ich-schreibe-fuer-dich.com

Kommentare zu diesem Artikel

Anne-Sophie

Ça donne envie d’y aller, merci :)

Denise

Eine treffende, amüsante Schilderung zum Lichtvestifal Murten 2018.
Eine tolle Umsetzung die unsere düsteren und kalten Wintertage erhellen lässt.