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Unerhört

Gestern war ich wie jedes Jahr um diese Zeit im Bärlauch. Während dieser nur im Frühling präsent ist, steht das Bienenhaus von Rafael Julmy schon lange an diesem idyllischen Südhang. Er und sein Sohn kümmern sich um die Imker-Frühlingsarbeiten und so musste mein Bärlauch warten, da ich den Zweien über die Schultern schauen durfte.

Auf meine Frage, ob ich Fotos machen dürfe, meint Raphael: "Aber nicht zu viele!" Ich versicherte den Herren, dass ich eher an den Damen interessiert sei. Vier Bienenvölker haben den Winter überlebt. Im Herbst waren es noch deren 12 gewesen. Auch der Nachbarimker Gabriel hat grosse Verluste hinnehmen müssen. Von meiner Schwester die als Bieneninspektorin amtet, weiss ich, dass die Verluste im Greyerzbezirk dieses Jahr bei mehr als 50 Prozent liegt. Dementsprechend rar wird der hiesige Honig heuer sein.

Auch Raphael und Benno machen sich Sorgen, ein Volk sei vor kurzem quasi von einem Tag auf den anderen verschwunden. Wäre man sich eines Fehlers bewusst, könnte man wenigstens etwas ändern. Aber so sei es nicht einfach, die Verluste zu verstehen. Bei der Durchsicht der Völker ist Raphael jedoch zufrieden, überall ist genügend Brut vorhanden und die Bienen tragen fleissig Pollen ein. Was mir auffällt, die Bienen summen ganz anders als üblich. Schuld daran sei die Bienenkönigin, die Ihren Befehlston ändere, wenn etwas nicht stimmt. Endlich eine Richtungsänderung, das lässt hoffen.

Was man bei genauem hinhören alles lernt, unerhört!

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