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In der Badewanne - extragross

In ihr zu baden ist ein Traum. Allerdings einer ohne Schaum.

Drei. Drei. Drei. Jetzt aber flott und grazil zur Seite driften. Denn ich habe Herrn Superschnell im Visier. Dieses Mal gibt er mir keinen Fùngg. Passiert ihm sicher nicht extra. Ist mir auch schon passiert. Nur einmal hat sich jemand fluchend zu mir umgedreht. Ist halt etwas eng hier drin.

Vier. Vier. Vier. Frau Pouletflügeli ist vor mir. Ihre Art zu crawlen ist einzigartig. Sie führt ihre Bewegungen, die so aussehen als wäre sie ein drehendes Poulet im Grill – eines ohne Marinade - in vollster Überzeugung aus und fühlt sich offenbar wohl dabei. Es ist ihr wahrscheinlich egal, was andere von ihr denken. Das mag ich. Ich drossle mein Tempo und hoffe, dass sie mich für Strecke fünffünffünf nach vorne lässt. Was sie mit einem sympathischen Lächeln tut.

15. 15. 15. 17? Okay 15. Es ist Zeit für eine kleine Pause, denn Superschnell ist hinter mir und denkt sich eventuell eine Taktik aus, wie er mich überholen will. Möglicherweise bin ich für ihn die Portion Pommes Frites im Pouletchörbli. Ob mit oder ohne Ketchup weiss ich aber nicht.

Am Beckenrand ziehe ich meine Schwimmbrille aus und geniesse kurz das einzigartige Panorama auf die Kathedrale und die Altstadt. Gibt es ein schöneres Bad als die Motta in der Schweiz? Niemals. Nun erblicke ich den Taucheranzug-Mensch auf der Bahn nebenan.

Er ist wie immer ohne Sauerstoffflasche unterwegs und beileibe nicht der einzige in seiner Art. Man sieht noch ab und wann solche Gestalten. Die sind dann wirklich phelps. Der Taucheranzug-Mensch überholt Superschnell wie Speedy Gonzales Duffy Duck. Arriba! Arriba! Soweit so gut. Derweilen rotiert mir Frau Pouletflügeli langsam entgegen.

18. 18. 19. Es ist zehn Uhr morgens. Nun sind alle Freiburger im Wasser. Alle. Auch die, die in Bern arbeiten. Eine Welle schwappt mir mitten in den geöffneten Mund. Ich denke dabei an ziehende, durchsichtig schimmernde Fäden und an kleine weissgraue Partikel, die ich manchmal unter Wasser erblicke und eigentlich nicht sehen will. Aber sie sind da. Und es ist ganz normal. Gibt’s auch in der Karibik und sogar in der blauen Lagune. Jeder verliert seine Flüssigkeiten. Könnte auch von mir sein, dennoch würg.

Bei diesen Gedanken hilft mir jeweils Chuck Norris. Ich stelle mir vor, er ässe grillierte Tarantelbeine und würde dabei exakt dieselbe Miene verziehen als wäre es eine Häppörischnitta von Tanti Annegret. Chuck hilft immer. Ich schwimme meine letzte Länge und freue mich auf das unbeschreibliche Gefühl danach, wo ich mich äusserlich und innerlich gereinigt fühle.

Im Auto frage ich mich was ich heute Mittag kochen will. Und ob Chuck Norris überhaupt schwimmen kann. Nein, keine Pouleflügeli. Und entscheide mich für Fisch.

Kommentare zu diesem Artikel

Bodmer

Lustiger Artikel. Weniger lustig ist, dass es mit dem 50m Schwimmspass in Fribourg in zwei Wochen schon wieder vorbei sein wird, da sich im Dossier 50m Indoorbecken sicher nicht viel getan hat.