2

Delete forever

Alter schützt vor Torheit nicht.

Neulich an einem Sonntagmorgen, ich noch nicht ganz wach, will ich wissen, wann genau die letzte Hexe in Freiburg verbrannt worden ist. Ich klappe meinen Läppi auf und will ihn starten. Doch er fährt nicht hoch, dieser Penner, ist nicht mal bei Bewusststein.

Ich dann ganz wach, beginne zu verzweifeln. Lappi der Zweite hat mich noch nie im Stich gelassen. Nun gut. Nach acht Jahren ist er zwar etwas langsamer geworden, aber das bin ich auch.  

Die angesammelten Viren machen ihn bestimmt ganz schlapp. Wenn ich doch ein Hacker wär. Ein richtiger Crack, so könnte ich Viren vernichten wie Schwarze Löcher Sterne. Doch eher wäre Trump Unterwäschemodell für Calvin Klein als dass ich irgendetwas davon verstehen würde.

Auf meinem Handy google ich nach Krankheiten und finde was. Jawohl, das muss es sein. Nein. Ist es nicht. Ich denke an alle Dateien, die ich extern noch nicht abgespeichert habe und schwitze wie Putin in der Sahara. 

Dann kommt dieser ganz spezielle Moment. Eigentlich verstehe ich überhaupt nichts mehr und bestätige trotzdem. Die Alarmglocken schrillen, doch das ist mir eigentlich egal. Hauptsache es geht was. Dann ist endgültig aus.

Endlich wacht meine Tochter auf, sie ist mein letzter Rettungsschirm. Nach fünf Minuten Obduktion sagt sie zu mir: „Mams, wie hast du es geschafft, die Festplatte zu löschen?“ Ich fühle mich wie Angie, als Trump ihr die Hand nicht reichen wollte.

Nach einer Stunde hat meine Tochter Lappi dem Zweiten neues Leben eingehaucht. „Den Rest kannst du dann selber machen, das schaffst du schon. Übrigens, du hast ein neues Passwort.“ Sie drückt mir Lappi den Zweiten in die Hand und lässt mich mit ihm ganz allein.

Zitternd tippe ich IchhabediebesteTochterderWelt ein und bin ganz entzückt. Lappi der Zweite startet wieder. Er wird wieder ganz gesund, ich spüre es.

Es dauert dann Stunden, bis alle Updates geladen sind. Eigentlich den ganzen Tag. Ich liege auf dem Sofa, lese wieder einmal ein Buch, trinke Kräutertee, abwarten halt. Wolke ist auch dabei und füttert Lappi den Zweiten mit Ferienfotos, längst vergessenen Texten und Schulmaterial. Wie genau Wolke das macht, weiss ich nicht. Hauptsache Wolke und bin froh, dass ich nicht zum PC Doktor gehen muss und so was von unmöglich gestehen muss.

Am nächsten Tag ist Lappi der Zweite wieder fit. Und wie! Wie ein junger Hengst im Frühlingswind  galoppiert er über Wiesen und Felder. Ich hingegen nicht. Vom Herumliegen habe ich es im Kreuz und fühle mich wie eine alte Hexe. Na wenigstens leben wir nicht mehr im Mittelalter. Und google nach Hexenschuss.

Kommentare zu diesem Artikel

Renate Stulz

Super geschrieben!!

Artix

Nur so als Randbemerkung, ein Läppi mit ubuntu ist in einer viertel Stunde "ready to goo".