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Chaos im Kopf

«Wir irren allesamt, nur jeder irrt anders.» Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799), Sudelbücher

Die G-20 in Hamburg sind vorüber. Was bleibt sind Scherben, Trümmerhaufen und grosse Fragezeichen. Manche sagen, es sei wie im Krieg gewesen. Nun gut, Köln 1945 ist «eine Weile» her.  

Die Ultralinken hatten wirklich alles hergegeben, nur nicht ihre hippen Markenjeans. Ein jeder war in schwarz, nicht braun, verhüllt, und manch einer mit Steinen und Molotow-Cocktails ausgerüstet. Ganz bestimmt hatten alle ein Smartphone dabei, hergestellt mit Kobalt aus den Tiefen der Republik Kongo.

Die Welt schielt auf Trump, Putin und Erdogan und fühlt sich irgendwie machtlos. Nur eine bewahrt  in diesem Chaos anscheinend die Ruhe und fliegt wie ein Adler über alle hinweg. Sie schafft es sogar, Kritiker zu zermalmen, ohne dass es jemand merkt, die Frau Bundeskanzlerin. Stets bewahrt Sie ihre Contenance und formt mit ihren Händen hübsche Rauten und schafft das. Bestimmt. Sie ist mutig. Ich bewundere sie.  

Es ist denkbar einfach, anderen die Schuld für die Missordnung auf dieser Welt zu geben.  Deshalb nehme ich Sie auf einen kleinen Exkurs mit.

Stellen Sie sich vor, sie sind ein kleiner Wurm und kriechen aus einem Loch einer dreipoligen Steckdose. Unbeschadet und voller Neugier landen Sie direkt auf einem Apple-TV-Gerät. Sie fühlen Bassgedröhne und hören Schreie aus Obelisk-artigen Lautsprechern und beginnen sofort, sich rhythmisch zu bewegen. «Hey you!» Es ist lange her, seit Sie zu Pink Floyd abgetanzt und sich den atmosphärischen Klängen hingegeben haben. Sie sind begeistert. «Mother do you think they’ll drop the bomb?»

Sie schleimen weiter und riechen einen feinen Duft. Heute Abend gibt es ein leckeres rotes Thaicurry. Das Bio-Geschnetzelte stammt von einem einst glücklichen Huhn, die rote Currypaste aus dem Asiatenladen im Pérolles. Die Pfanne kommt wie Wasserkrug Nina aus China und der Basmatireis aus Indien, wenigstens fairtrade. Aus blütenweissen französischen Tellern wird dann gegessen.

Es dauert dann eine Weile, bis Sie pappsatt ins Badezimmer gekrochen sind. Das Wasser läuft unermüdlich und duftet nach feinem Lavendelöl. Die robuste Stahlwanne hat ein grosses Volumen und beim Einlassen drückt ein wenig das schlechte Gewissen. Zwei Menschen reinigen und ermüden sich darin, bevor das eigentlich noch saubere Wasser auf Nimmerwiedersehen hinunterstrudelt. «Oooooooh I need a dirty women. Oooooooh I need a dirty girl!»

Wasser, Strom und Nahrung sind für uns selbstverständlich. Ja, wir haben eine grosse Portion Glück, als Wurm in einem Schwein wie der Schweiz zu leben. Wir können ja nichts dafür. Am besten schlüpfen Sie jetzt wieder ins Loch zurück und tun so als hätten Sie nichts gesehen. So wie ich.

 

 

 

     

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