0

Schlummernde Schätze

Der Garten befindet sich im Winterschlaf und ich bin froh über die zwangsverordnete Pause, vor allem wenn es draussen Stein und Bein friert. Die perfekte Zeit, um in meinen beiden Schatzkisten mal wieder klar Schiff zu machen.

Saatgut aufbewahren

Samen haben eine unterschiedliche Lebensdauer. Pastinakensamen sind gerade mal ein Jahr richtig keimfähig, während gewisse Tomatensamen auch noch nach zehn Jahren willig austreiben und zu stattlichen Pflanzen wachsen können (jedenfalls bei mir, obwohl ich in den Künsten des magischen Keimenlassens nicht bewandert bin). Damit sie nicht vorzeitig schlecht werden, sollten sie an einem trockenen, dunklen und eher kühlen Ort aufbewahrt werden.

Trocken. Gekauftes Saatgut kommt in praktischen Tüten daher, die man mit Büroklammern auch wieder verschliessen kann. Sammelt man selber Saatgut, dann kann man sich aus Papier ganz hübsche Tüten selber basteln, was ganz sicher ganz viel Spass macht (im Internet findet man darum auch ganz viele Anleitungen dafür). Ich gehe lieber auf Nummer sicher und benutze Plastikbeutel mit Grip-Verschluss, denn darin ist das Saatgut hunderprozentig vor Feuchtigkeit geschützt. Man muss nur darauf achten, dass es beim Einfüllen durch und durch trocken ist.

Dunkel. Um Platz zu sparen und doch die Übersicht nicht zu verlieren, liess ich mir zwei Schatzkisten aus Holz anfertigen – eine grosse Längliche für Gemüsesamen und eine Kompaktere für den Kräuter- und Blumenrest von B wie Basilikum bis zu Z wie Zweijährige. Dank der beschrifteten Holztrenner komme ich schnell ans gewünschte Saatgut – eine begrüssenswerte Nervenschonung in den intensiven Aussaat-Monaten März bis Mai.

Eher kühl. Die beiden Kisten stehen das ganze Jahr über an einem Ort, der sommers wie winters um die 16 Grad kühl ist. Aber pssst: Wenn es nicht anders geht, dann halten die Samen auch etwas wärmere Temperaturen aus, deutlich wichtigere Kriterien sind die Trocken- und Dunkelheit.

 

Ausstauben

Auch wenn es auf dem Foto nicht so deutlich wird: Ich habe ganz schön viel Saatgut und darunter inzwischen leider auch viel überflüssiges (jedenfalls noch heute Morgen). Das kommt daher, dass ich mit dem Wegwerfen meine liebe Mühe habe, und so konnten sich höchstwahrscheinlich abgelaufene, zickige und sonstwie ungeliebte Sämereien ansammeln.

Ich kenne verwegene Gärtner, die mit genau solchen Sämereien so kurzen wie spannenden Prozess machen: In ihrem Garten haben sie einen Ort reserviert, wo alles und nichts gedeihen darf. Im Frühling nehmen sie dann die aussortierten Samen, streuen sie dort auf die Erde und beobachten mit verschmitztem Lächeln, was passiert. (Merke: Wenn es einem egal ist, was wie keimt und wächst, dann tut es das dreifach so gut.)

Ich für meinen Teil verfüge nicht über den nötigen Platz für ein experimentelles Saatgut-Entsorgungsbeet, aber ich habe Hühner und das kam mir heute Morgen in den Sinn.

Mit Freude im Herzen arbeitete ich mich durch jedes Abteil und sortierte aus – so grosszügig wie noch nie zuvor. Das Aussortierte werde ich in den nächsten Tagen zum Keimen bringen und was zu klein und fein dafür war, füllte ich meinen Mädels direkt in eine Schüssel und kredenzte sie zur Begeisterung aller im Hühnerhaus. Solche Samen sind eine gesunde Abwechslung zum winterlichen Einerlei und als gekeimte Sprossen bieten sie überdies willkommene Vitamine und Mineralstoffe. Übrigens, beglücken kann man damit auch anderweitig Gefiederte ... man muss also nicht zwingend Hühner halten.

 

Und nun schlummern meine Schätze wieder vor sich hin, die satten Mädels mit aufgeplustertem Gefieder und die frisch sortierten Sämereien in ihren Kisten. Jetzt dürfte er dann langsam mal kommen, der Frühling.

Kommentare zu diesem Artikel