Schwarzenburg 23.11.2017

Zürcher Büro baut für Bernaville

So soll das Areal der Stiftung Bernaville nach dem Umbau aussehen.
Die Stiftung Bernaville hat im zweiten Anlauf ein Projekt für den Umbau ihrer Gebäude bestimmt. Es soll allen Anforderungen entsprechen. Zuerst muss allerdings die Bevölkerung der Zonenänderung zustimmen.

Die Stiftung Bernaville in Schwarzenburg will ihre Gebäude erneuern und sanieren. Dafür hatte die Institution Anfang des Jahres einen Architekturwettbewerb ausgeschrieben, an dem sich 25 Büros anonym beteiligten.

Damals genügte keines der eingereichten Projekte den Auflagen vollumgänglich. Deshalb liess Bernaville ab Juni die drei Büros mit den vielversprechendsten Angeboten ihre jeweiligen Projekte überarbeiten, was «Zusatzkosten im mittleren fünfstelligen Bereich verursacht hat», wie Direktor Vinzenz Miescher auf Nach­frage sagt.

Anspruchsvolle Aufgabe

Im zweiten Anlauf hat es nun geklappt. Das Projekt «Paul et Florence» des Zürcher Architekturstudios Jes hat den Zuschlag für den Ersatzneubau und die Erneuerung erhalten. Die Anforderungen an die Bauplaner sind hoch: «Das Projekt muss den Bedürfnissen von Menschen mit Behinderung entsprechen – auch in der Zukunft. Zudem sind Vorschriften zu berücksichtigen, wie die Hindernisfreiheit und die Mindestgrössen der Räume», sagt Vinzenz Miescher.

Die Aufgabe ist laut Medienmitteilung zudem anspruchsvoll, weil die Anlage als erhaltenswert eingestuft ist und die Kostengrenze von 30 Millionen Franken eingehalten werden soll.

Grössere Zimmer und Ateliers

Das Projekt «Paul et Florence» fördere die Selbstbestimmung der Menschen mit Beeinträchtigung, sagt Miescher. «Es bietet mehr Rückzugsmöglichkeiten und grössere Zimmer. Das ist wichtig, weil sich Menschen mit Beeinträchtigung auch ein selbständiges Leben wünschen», betont Miescher.

Den Menschen mit geringem Betreuungsbedarf stehen in Zukunft in sich abgeschlos­sene Viereinhalb- oder Fünfeinhalb-Zimmer-Wohnungen zur Verfügung. Ein Teil des Neubaus richtet sich auf den Alters- und Intensivwohnbereich aus, wo Pflege und individuelle Betreuung im Zentrum stehen. Zudem werden die Aufenthaltsräume und die Ateliers vergrössert.

Finanzierung noch offen

Zu Bauverzögerungen soll es laut Vinzenz Miescher nicht kommen. «Aus heutiger Sicht gehen wir davon aus, dass 2019 die ersten Bagger auffahren werden», sagt der Direktor von Bernaville. 2023 solle die Anlage fertig erneuert sein. Gebaut wird in Etappen bei laufendem Betrieb.

Weiterhin offen ist die Finanzierung. Das Alters- und Behindertenamt des Kantons Bern hat die Finanzierung der Infrastruktur ab 2019 noch nicht verbindlich gesprochen. Das Amt möchte stattdessen eine Tagespauschale von rund 35 Franken pro Bewohner einführen.

Vielleicht kann Bernaville jedoch seine Infrastruktur ohne das Bekenntnis des Kantons finanzieren. «Wir sind mit Investoren im Gespräch, die das Potenzial des Projekts erkannt haben», sagt Miescher.

Bevölkerung muss zustimmen

Letztlich muss die Gemeinde für den geplanten Umbau den Teilzonenplan der Parzelle «Bernaville» revidieren. Da­rüber stimmt die Bevölkerung von Schwarzenburg an der Gemeindeversammlung vom 11. Dezember ab. «Ich gehe davon aus, dass die Bevölkerung hinter der Stiftung steht und deren Wert in der Gemeinde kennt», sagt Vinzenz Miescher.

«Das Projekt muss den Bedürfnissen von Menschen mit Behinderung entsprechen – auch in der Zukunft.»

Vinzenz Miescher

Direktor der Stiftung Bernaville

Zur Sache

Wohnen und Arbeit für Beeinträchtigte

Die Stiftung Bernaville erbringt Dienstleistungen in den Bereichen angepasste Wohnmöglichkeiten und angepasste Arbeitsplätze für rund 140 Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung. Die Stiftung finanziert sich mit Spenden, aus der öffentlichen Hand und mit Erträgen aus Produktionen der Werkstatt, Gärtnerei, Landwirtschaft und Küche. Der Umsatz beträgt 12,5 Millionen Franken. Wer das Wohnareal in Anspruch nimmt, hat die Möglichkeit, bis ans Lebensende dort zu bleiben.

rst

www.bernaville.ch