Fahrende 20.07.2017

Wileroltigen wehrt sich gegen Transitplatz

Der Kanton Bern fasst einen Transitplatz für Fahrende in Wileroltigen ins Auge. Nun macht die Gemeinde mobil: Sie lädt alle Interessierten zu einem Treffen ein, bei dem Argumente gegen das Vorhaben gesammelt werden sollen.

Der Gemeinderat von Wileroltigen ruft die Bevölkerung dazu auf, sich gegen den geplanten Transitplatz für Fahrende auf dem Gemeindegebiet einzusetzen. Dafür ist nächsten Montagabend ein Zusammentreffen geplant. Bei dem Treffen sollen Argumente gegen den Platz und Ideen zur Bekämpfung gesammelt werden. Dies ist einem Flugblatt der Gemeinde zu entnehmen. Ausserdem sollen das weitere Vorgehen definiert und die Gegenmassnahmen koordiniert werden. «Nur zusammen können wir beim Kanton genügend Gewicht erreichen», steht auf dem Flugblatt.

Seit Anfang Juni ist eine Parzelle neben dem Autobahnrastplatz Wileroltigen von rund 500 Fahrenden besetzt (die FN berichteten). Die Fahrenden hinterlassen Fäkalien und Unrat auf den umliegenden Feldern. Das stösst auf wenig Gegenliebe in der Bevölkerung. Im Gegenteil: In den letzten Wochen machte sich Unmut breit.

Letzten Freitag kündigte der Berner Regierungsrat Christoph Neuhaus an, an dem Standort die Einrichtung eines definitiven Transitplatzes für Fahrende zu prüfen. Das sorgte erneut für Missstimmung in Wileroltigen, weshalb sich der Gemeinderat entschied, die Bevölkerung mit ins Boot zu holen: «Bitte nehmen Sie an dem Anlass teil, wenn Sie sich auch mit aller Kraft gegen den geplanten Transitplatz Wileroltigen einsetzen möchten», steht auf dem Flugblatt.

«Gegenwert fehlt»

«Die Meinung ist ganz klar, dass wir alles unternehmen werden, um den Transitplatz zu verhindern», sagt der Gemeindepräsident von Wileroltigen, Christian Grossenbacher, auf Anfrage. «Wir sind um jede Unterstützung froh und wollen die Kräfte bündeln.» Laut Grossenbacher gibt es in Wileroltigen niemanden, der dem Vorhaben etwas Positives abgewinnen kann, «die ganze Bevölkerung ist dagegen». Ein Transitplatz gebe schliesslich auch überhaupt keinen Gegenwert für die Bevölkerung. «Inertstoffdeponien zum Beispiel will auch niemand», erklärt Grossenbacher, «solche Projekte sind für Gemeinden aber dennoch interessant, weil Geld fliesst.» Beim Transitplatz fehle ihm schlicht der Gegenwert für die Wileroltiger. Und es könne auch nicht sein, dass der Kanton über die Köpfe der Gemeinde hinweg entscheidet.

Doch nicht nur Wileroltigen wäre von einem Transitplatz betroffen, wie sich mit dem aktuellen wilden Fahrenden-Camp zeigt, sondern auch die Freiburger Nachbarsgemeinde Kerzers: «Die Fahrenden belagern das Schwimmbad und in den Einkaufsläden herrscht Ausnahmezustand», sagt Nicole Schwab, Gemeindepräsidentin von Kerzers. «Dass so viele Personen gleichzeitig in die Läden von Kerzers strömen, macht den Leuten Angst», bestätigt Grossenbacher. «Wir werden uns mit Wileroltigen absprechen», sagt Schwab, «und die Gemeinde unterstützen, so weit wir können».