Laupen 22.06.2017

Wenn der Trauerschmerz gross ist

Nach dem Verlust eines nahestehenden Menschen gibt es verschiedene Wege, Kraft zu schöpfen. Einer davon ist das Trauercafé.
Das Betagtenzentrum Laupen bietet trauernden Menschen einmal im Monat die Gelegenheit, sich im Trauercafé auszutauschen. Persönliche Geschichten zu erzählen kann helfen, den Verlust besser zu tragen.

Wer einen lieben Menschen verloren hat und plötzlich alleine ist, kann im Trauercafé in Laupen Trost finden. Das Trauercafé des Betagtenzentrums ist für alle offen und ungezwungen: «Niemand muss reden, alle dürfen», sagt Werner Egloff, der Direktor des Zentrums, im Gespräch. Das Trauercafé biete einen geschützten Rahmen, um sich unter Gleichgesinnten erinnern zu dürfen. Es findet an einem Sonntag im Monat im Betagtenzentrum Laupen statt und ist konfessionell neutral. Nächsten Sonntag ist es wieder soweit (siehe Kasten).

«Interessanterweise sprechen alle Menschen nach kurzer Zeit über ihre Erfahrungen», erzählt Egloff. Oft seien es sehr persönliche Geschichten oder auch Anekdoten aus dem Leben des verstorbenen Ehepartners oder der Mutter. «Diejenigen, die zu Beginn vielleicht nichts sagen wollten, können daraufhin an die Geschichten der anderen anschliessen», so Egloff.

«In den ersten Wochen nach einem Todesfall kümmern sich Angehörige und Freunde oft intensiv um die Trauernden», erklärt Linda Messer vom Spitexdienst des Betagten­zentrums im Gespräch. «Doch nach einer gewissen Zeit flacht dies ab, und die Menschen fühlen sich alleine mit ihren Gefühlen, sie fallen in ein Loch.» Gerade in dieser Zeit tue es gut, sich mit anderen Menschen auszutauschen und die Trauer teilen zu können. «Das Trauercafé ist ein Ort, an dem Menschen hundertmal von ihrer Trauer berichten können.»

Gemeinsam mit ihrem Ehemann Werner Egloff und einer weiteren Fachperson leitet Linda Messer das Trauercafé. An den Sonntagnachmittagen sind sie zu zweit für die Trauernden da. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Meist kämen rund ein halbes Dutzend Personen; zwei sei die geringste Anzahl Teilnehmer, die sie bisher erlebt hätten, berichtet Messer. «Zwei Männer kommen seit dem Beginn Anfang 2016 fast immer zu uns», freut sich Egloff. Andere besuchten das Trauercafé nur einmal, wieder andere während einiger Monate: «In der Zeit, in der es für sie am schwierigsten ist, mit dem Verlust umzugehen.» Und tendenziell mehr Besucher kämen in den dunklen Monaten, «von Oktober bis Ende Jahr». Meist handle es sich um Menschen ab 40 Jahren. Und es seien mehrheitlich Frauen. «Für Männer braucht es oft mehr Überwindung als für Frauen», vermutet die Trauerbegleiterin Linda Messer.

Der Ablauf des Trauercafés ist strukturiert: «Zum Einstieg können sich die Menschen vorstellen», erklärt Egloff. Darauf folge eine Befindlichkeitsrunde. «Hier kommt viel; die Leute reden oft sehr offen über ihre Gefühle.» Eine Kerze anzünden, ein Moment der Stille und auch Gedichte oder Entspannungsübungen gehörten zum Trauercafé. «Wir fragen nach, was ihnen guttut», so Messer.

Auf die Runde folgt ein gemütliches Zusammensitzen bei Kaffee und Kuchen. «Oft sprechen die Leute an den Tischen über Alltägliches und es kann auch lustig zu und her gehen», sagt Trauerbegleiter Egloff. Das sei enorm wichtig, betont Messer, «wir wollen die Besucher nicht aufgewühlt gehen lassen, sie sollen Zeit haben, sich wieder zu fangen».

Linda Messer und Werner Egloff wissen aus eigener Erfahrung, wie es ist, plötzlich alleine zu sein. Beide haben eine Ausbildung als Trauer- und Sterbebegleiter und -begleiterin absolviert. Ihre Arbeit im Trauercafé sei anstrengend: «Ich bin nach den zwei Stunden erschöpft», sagt Messer. Gleichzeitig sei es für sie eine lehrreiche Erfahrung. «Wir erhalten auch Inputs, wie man etwas angehen kann.» Die Arbeit schaffe zudem ein Bewusstsein dafür, «wie gross zum Teil die Rucksäcke sind, die die Menschen tragen». Ratschläge geben die Trauerbegleiter nicht, «es gibt kein Patentrezept», sagt Egloff. «Wir beobachten und sprechen je nachdem heikle Themen an, damit die Trauernden nicht um den heissen Brei herumreden müssen.» Mit der Erfahrung habe sich sein Blick geschärft, «die Arbeit macht sensibler und aufmerksamer».

Dass das Betagtenzentrum Laupen das Trauercafé im Angebot hat für alle Interessierten, ist keine Selbstverständlichkeit. «Es ist schon ein Zusatz», gibt Egloff zu bedenken, «für uns gehört die Trauerarbeit jedoch zu unserer Philosophie, dass es nach dem Tod weitergeht».

Programm

Einmal im Monat und immer am Sonntag

Das nächste Trauercafé im Betagtenzentrum Laupen findet am Sonntag, 25. Juni, um 14 Uhr statt. Alle Daten sind auf www.bz-laupen.ch ersichtlich. Das Angebot der Trauercafés hat sich auch in anderen Kantonen etabliert. So auch im Kanton Freiburg: Der Verein Wachen und Begleiten lancierte 2015 ein Trauercafé in Düdingen. Auch dieses findet einmal im Monat statt, der nächste Termin ist der 9. Juli um 14 Uhr. Weitere Daten sind auf www.wabedeutschfreiburg.ch ersichtlich. In Laupen wie auch in Düdingen gilt als Voraussetzung für die Teilnahme die Bereitschaft, mit Informationen vertrauensvoll umzugehen. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

emu
«Die Arbeit schafft ein Bewusstsein dafür, wie gross zum Teil die Rucksäcke sind, die die Menschen tragen.»

Linda Messer

Trauerbegleiterin