Ferenbalm 12.01.2017

Grossräte kämpfen für Bahnstation

Grossrat Daniel Schwaar (rechts) setzt sich mit Ueli Balmer und Andrea Niklaus für den Erhalt der Bahnstation Ferenbalm ein.
Die angekündigte Schliessung der Bahnstation Ferenbalm-Gurbrü rückt näher. Nun wollen drei Grossräte aus der Region politischen Druck aufbauen, um wenigstens den Fahrplan der neuen Buslinie zu verbessern.

2012 kündigte die BLS an, auf Ende 2016 die Bahnstation Ferenbalm-Gurbrü zu schliessen. So weit kam es aber noch nicht. Noch unterbricht stündlich eine S-Bahn in jeder Richtung die Fahrt in Ferenbalm-Gurbrü, um Passagiere ein- und aussteigen zu lassen. Viele sind es allerdings nicht, 84 im Schnitt pro Tag, wie die BLS 2013 gezählt hat. Damit ist Ferenbalm-Gurbrü die Station mit der zweittiefsten Frequenz auf der Linie Bern-Neuenburg (die FN berichteten). Das Ende der Station ist deshalb praktisch besiegelt. Die BLS will den Fahrplan auf der Linie von Bern nach Neuenburg verdichten. So sollen Regioexpress-Züge, die nur in Kerzers und Ins halten, künftig alle 30 Minuten statt stündlich zwischen Bern und Neuenburg verkehren. Um diesen Plan umzusetzen, muss die BLS nicht nur die Strecke zwischen Bern und Gümmenen auf Doppelspur ausbauen, sondern auch zusätzliche Zeit einsparen (siehe Text unten).

Schliessung überprüft

Die IG Bahnhof Ferenbalm-Gurbrü will sich mit der drohenden Schliessung des Bahnhofs nicht abfinden. Im Juni trafen sich Vertreter der IG mit der Berner Verkehrsdirektorin Barbara Egger. «Sie hat uns versprochen, die Schliessung noch einmal überprüfen zu lassen», erklärt Andrea Niklaus von der IG Bahnhof Ferenbalm-Gurbrü. Parallel dazu reichten die drei Grossräte Daniel Schwaar (BDP, Wileroltigen), Anita Herren (BDP, Rosshäusern) und Jakob Etter (BDP, Treiten) zwei Vorstösse ein. Einerseits forderten sie, die Kantonsregierung solle die Schliessung noch einmal überprüfen. Mit dem zweiten Vorstoss verlangten die Grossräte, der Regierungsrat solle im Falle einer Aufhebung der Haltestelle das Angebot der neuen Buslinie leistungsfähiger gestalten. Allzu weit kamen die Vorstösse aber nicht: «Weil der Grosse Rat in Kürze die Angebotsplanung 2018-2021 beraten wird, hat das Büro des Rates die Motionen zurückgewiesen», erklärt Daniel Schwaar. Nun setzen die Parlamentarier auf die Beratung der Angebotsplanung im Grossen Rat. «Wir versuchen, vor allem die Mitglieder der vorberatenden Kommission vom Erhalt dieser Haltestelle zu überzeugen.» Er schränkt aber ein: «Die Chancen, dass die Planung wegen einer kleinen Haltestelle umgekrempelt wird, sind klein.» Mittlerweile hat auch das Amt für öffentlichen Verkehr und Verkehrskoordination die Absicht zur Schliessung bestätigt. Das Amt war gestern für eine Stellungnahme ebenso wenig erreichbar wie der Gemeinderat von Ferenbalm.

Längere Reisezeit

Obwohl die IG Bahnhof Ferenbalm-Gurbrü noch immer auf den Erhalt des Bahnhofes hofft, muss sie sich auch mit Alternativen auseinandersetzen. Statt in Ferenbalm-Gurbrü einzusteigen, reisen die Passagiere künftig mit dem Bus zum Bahnhof Gümmenen, wo sie auf den Zug umsteigen. Doch die Betroffenen sind mit dem neuen Angebot nicht zufrieden. Denn der Bus fährt nicht direkt von der Station zum Bahnhof Gümmenen, sondern absolviert eine Schlaufe über mehrere Dörfer. Zudem müssten die Reisenden in Gümmenen längere Zeit auf den Zug warten. Mit dem neuen Bus verlängere sich die Reisezeit von Ferenbalm nach Bern teilweise um das Doppelte, bemängelt die IG Bahnhof Ferenbalm. «Schlankere Anschlüsse lassen sich aber kaum realisieren», erklärt Ueli Balmer von der IG. Denn die neue Buslinie ist eine Fortführung der Linie Laupen-Gümmenen. Werden die Anschlusszeiten in Gümmenen geändert, kann der Bus die Anschlüsse in Laupen nicht mehr gewährleisten. Laut Daniel Schwaar wäre aber eine eigene Buslinie für die betroffenen Gemeinden finanziell nicht tragbar. Doch der Bus hat auch einen merklich dünneren Fahrplan als die Bahnlinie, speziell am Abend und am Wochenende. «Mit der Bahn hatte ich bis Mitternacht stündlich einen Zug von Bern nach Ferenbalm-Gurbrü», erklärt Andrea Niklaus. Für sie ist deshalb klar: «Wird die Station aufgehoben, werde ich wie viele andere wohl künftig das Auto benutzen.» Grossrat Daniel Schwaar schaut derweil bereits in die Zukunft: «Wenn wir die Bahnstation nicht retten können, dann müssen sich die Gemeinden zusammensetzen, damit wir wenigstens bei der übernächsten Angebotsplanung eine Verbesserung des Busfahrplans erreichen.»

Chronologie

Eine Petition mit 1400 Unterschriften

Im Dezember 2012 wurde bekannt, dass die BLS und der Kanton Bern die Haltestelle Ferenbalm-Gurbrü bis Ende 2016 aufheben will. Damit wollte die BLS Platz für den Halbstundentakt der Regioexpresszüge schaffen. Gegen diese Absicht formierte sich Widerstand: 1450 Bürger wehrten sich mit einer Petition. Im Oktober 2014 präsentierte die Regionalkonferenz Bern-Mittelland ihre Pläne für die Buslinie, welche die Bahnverbindungen kompensieren sollte. Demnach sollte ein stündlicher Bus von Gümmenen aus die Dörfer Ferenbalm, Gurbrü, Rizenbach und Biberen erschliessen.

sos