Laupen/Bösingen 09.03.2017

Die Sense soll mehr Platz erhalten

Vor allem in Bösingen (hier mit Blick auf Laupen) soll Landwirtschaftsland der Sense zurückgegeben werden.
Um die Sense im Zaum zu halten, spannen Laupen und Bösingen beim Hochwasserschutz zusammen. Das Ziel ist, mehr Wasser abfliessen zu lassen. Nun können sich Bürgerinnen und Bürger äussern.

Auf dem Gemeindegebiet von Laupen fliesst die Sense in die Saane. Weil Laupen damit an zwei Gewässern liegt, ist der Hochwasserschutz eine grosse Herausforderung. «Entlang der Saane konnten wir das Problem mit neuen Verbauungen bereits vor einigen Jahren lösen», erklärt Gemeindepräsident Urs Balsiger. Nun will die Gemeinde zusammen mit Bösingen den Schutz vor Hochwasser an der Sense verbessern. Dafür legen die beiden Gemeinden den sogenannten Wasserbauplan Sense bis zum 21. April zur öffentlichen Mitwirkung auf. Anwohner, Bürger, Parteien und Verbände können sich mittels eines Fragebogens auf der Website von Laupen zum Projekt äussern.

Verbreiterte Sense

Für das Projekt soll die Sense mehr Platz erhalten. «Gemäss Bundesgesetz braucht die Sense einen Gewässerraum von 100 Meter Breite», erklärt Balsiger. Gewässerraum heisst: Die Sense wird nicht mehr in ein enges Bett gepfercht, das auf beiden Seiten mit Betonblöcken befestigt ist. Stattdessen soll entlang des Ufers eine flache Zone entstehen, in der sich die Sense bei Hochwasser ungehindert ausbreiten kann, ohne Schäden anzurichten. Nur in der Siedlungszone auf der südlichen Seite sollen die defekten Betonblöcke durch Natursteine ersetzt werden. Mit dem Projekt verbunden ist auch der Ersatz der Sense­brücke. Beides sind Teilprojekte der Verkehrssanierung Laupen. «In der Vergangenheit hat sich bei Hochwasser das Schwemmholz an der Brücke gestaut, was zu Überschwemmungen geführt hat.» Eine höhere Brücke soll den neuralgischen Punkt entschärfen. Mit den Umgestaltungen soll bei starken Regenfällen durch den zusätzlichen Platz mehr Wasser abfliessen, wodurch auch bei einem hundertjährlichen Hochwasser keine Schäden entstehen sollen.

Doch das Projekt hat eine Kehrseite: Der künftige Gewässerraum wird heute als Landwirtschaftsland genutzt. «Die Grundbesitzer könnten das Land weiterhin in beschränktem Mass bewirtschaften», so Balsiger. Es könne aber sein, dass dieses Land auch einmal überflutet werde oder dass die Sense das Land langfristig abtrage. Das Projekt wird in Bösingen mehr Land beanspruchen. «Denn in Laupen ist der Gewässerraum durch die Gleis­anlagen der Bahnlinie Laupen-Bern begrenzt.» Entsprechend müsse der Gewässerraum stärker auf die Bösinger Seite verlegt werden.

Im Moment suche die Gemeinde das Gespräch mit den Landbesitzern. «Dabei diskutieren wir, wie wir den Landverlust abfedern können.» Verliere ein Grundeigentümer durch das Projekt wertvolles Ackerland, könnte ihm die Gemeinde zum Beispiel anbieten, auf seinem verbleibenden Land Massnahmen zur Bodenverbesserung durchzuführen. Das Ziel ist klar: «Wir wollen die Grundeigentümer möglichst mit ins Boot holen», so Balsiger. Eine Landent­eignung komme weder für die Gemeinden noch für die beiden Kantone in Frage. «Können wir uns nicht einigen, müssen wir Alternativen suchen.» Balsiger ist aber zuversichtlich. «Die Grundbesitzer haben verstanden, dass sie das Land auf der Bösinger Seite schon heute zum grossen Teil nur noch eingeschränkt bewirtschaften können.» Dies aufgrund der letzten Ortsplanungsrevision in Bösingen.

«Win-win-Situation»

Die Zusammenarbeit mit Bösingen sei eine Win-win-Situation. «Bösingen kann seine Ferienhauszone sowie den Campingplatz schützen, und wir können die Voraussetzung für unsere Verkehrssanierung schaffen.» Beide Gemeinden könnten ihr Hochwasserproblem dank Subventionen günstig lösen. «Ohne Subventionen», ist Balsiger überzeugt, «könnten wir das Projekt nicht finanzieren.» 14 Millionen Franken soll das Projekt insgesamt kosten. Für die gesamte Verkehrssanierung rechnen die Gemeinde Laupen, der Kanton Bern und das betroffene Bahnunternehmen mit Kosten von 55 bis 60 Millionen Franken. Beim Hochwasserprojekt muss Laupen die Kosten mehrheitlich alleine tragen, das habe die Gemeinde mit Bösingen ausgehandelt, sagt Balsiger. Ohne Hochwasserschutz sei die ganze Verkehrssanierung von Laupen gefährdet. «Scheitert das Projekt, erhält Laupen weder einen neuen Bahnhof noch eine neue Sensebrücke», stellt Balsiger klar.

Informationsabend zum Projekt: Do.,16 März, 20 Uhr, Aula, Bösingen.

Sense21

Eine höhere Kapazität als primäres Ziel

Das Hochwasserschutzprojekt von Laupen und Bösingen ist einerseits Teil der Verkehrssanierung Laupen, andererseits bildet das Projekt auch eine Etappe des Konzepts Sense21, das die Gemeinden Bösingen, Wünnewil-Flamatt, Überstorf, Köniz, Neuenegg und Laupen sowie die Kantone Bern und Freiburg entwickelt haben. Es definiert mehrere Massnahmen und Ziele, mit denen Schäden durch Hochwasser vermieden oder abgeschwächt werden sollen. Zu den zentralen Zielen gehört dabei, die Abflusskapazität der Sense zu erhöhen.

sos

www.sense21.ch/sense21/