Schwarzenburg 05.01.2017

Den Dreiklang in Einklang bringen

Ruedi Flückiger kümmert sich seit Anfang dieses Jahres um die Geschicke und die strategische Leitung des Fördervereins Region Gantrisch.
Der Schwarzenburger Ruedi Flückiger ist der neue Präsident des Naturparks Gantrisch. Sein Ziel: sich vermehrt der Wirtschaft und dem Tourismus der Region widmen – in klarer Ergänzung zum Naturschutz.

Acht Jahre lang war Ruedi Flückiger Gemeindepräsident von Schwarzenburg. Seit Beginn dieses Jahres hat er einen neuen, nicht minder wichtigen Posten: Er ist Präsident des Fördervereins Region Gantrisch (die FN berichteten). «Ich bin seit der Gründung des Naturparks 2012 Vorstandsmitglied des Fördervereins und gut vernetzt», erklärt Flückiger im Gespräch mit den FN. Deshalb habe es sich angeboten, dass er das höchste Amt des Naturparks übernimmt.

Eine zehnjährige Pilotphase

Der Förderverein Region Gantrisch (FRG) verfolgt im Wesentlichen drei strategische Ziele: die Natur zu erhalten und aufzuwerten sowie die Wirtschaft und den Tourismus der Region zu fördern. Das erste Ziel ist seit Betriebsbeginn 2012 bereits gut aufgegleist: «Wir haben im Naturbereich, zum Beispiel mit der Waldolympiade oder Exkursionen, bereits viel erreicht», erklärt Flückiger, «das ist unbestritten gut.» Nun gehe es jedoch darum, die anderen beiden Pfeiler vermehrt an die Hand zu nehmen und ihnen mehr Gewicht zu geben. Dies geschieht nicht zuletzt mit der Absicht, bei den beteiligten Gemeinden weiterhin Unterstützung zu finden.

«Im Frühling 2016 kristallisierte sich in einem Workshop der Wunsch der Gemeinden heraus, dass wir uns vermehrt der Vermarktung von Produkten und dem Tourismus widmen sollen», so Flückiger. Daraufhin habe der Förderverein seine Struktur überprüft und das Strategische vom Operativen getrennt. «Nun läuft eine Probephase, in der wir den Dreiklang auf einen guten Weg bringen wollen.» Zwingend ist für Flückiger, die Wirtschaft und den Tourismus klarer vom Naturbereich abzugrenzen: «Das müssen wir, denn das Geld, das wir von Bund und Kanton erhalten, ist für den Pfeiler Natur bestimmt.»

2020 fällt eine Entscheidung

Es sei wichtig, die Finanzierungsquellen für Wirtschaft und Tourismus offenzulegen, denn schliesslich sei der Naturpark eine gemeinnützige Organisation und nicht etwa eine gewinnbringende. «Es ist eine Gratwanderung», sagt Flückiger, «aber wir wollen nicht zwei oder gar drei Organisationen schaffen, sondern vom Netzwerk profitieren.» 24 Berner und zwei Freiburger Gemeinden sind im Förderverein unter einem Dach vereint, «wir wollen in allen drei Bereichen als Gantrischregion auftreten». Der Name Gantrisch soll noch stärker als heute schon zu einer Einheit und Identität werden.

Die Betriebsdauer des Naturparks ist vorerst auf zehn Jahre ausgelegt: von 2012 bis Ende 2021. Im Jahr 2020 stehen verschiedene Abstimmungen an: Die Gemeinden, denen der Förderverein gehört, entscheiden, ob der Naturpark weiter bestehen soll. «Deshalb ist es jetzt wichtig, die Gemeinden vermehrt einzubeziehen und sie vom Nutzen des Naturparks zu überzeugen», zeigt sich Flückiger kämpferisch.

Für ihn mache es zu 100 Prozent Sinn, dass sich der Naturpark vermehrt der wirtschaftlichen und der touristischen Wertschöpfung der Region widmet, sagt der ehemalige Schwarzenburger Gemeindepräsident.

Vermarktung verstärken

Im Bereich Tourismus bestehe der erste Schritt darin, das zu sichern, was heute schon vorhanden ist: Skihütten, Gruppenunterkünfte, Hotels und Restaurants im Gantrischgebiet sollen offen bleiben für jene, die die Region besuchen und geniessen wollen. «Wir haben nicht viele Hotels in der Region», gibt Flückiger zu bedenken. Nun seien sie auf der Suche nach Investoren: «Es gibt in der Region bestimmt Leute, die bereit wären, mitzuhelfen», ist er überzeugt. Die Kontakte zu Bund und Kanton seien geknüpft. Vonseiten des Kantons seien Starthilfen für Tourismusprojekte durchaus möglich, sagt Flückiger, «er bringt uns viel Goodwill entgegen».

Beim Pfeiler Wirtschaft geht es insbesondere um die Vermarktung von regionalen Produkten: in sogenannten Gantrischhüsli und in den Läden der Region. Zum Beispiel gibt es in einem Grossverteiler in Kerzers Produkte des Naturparks: Das Gantrisch-Sauerkraut steht hier im Angebot und ist nur eines von vielen Gantrisch-Produkten. Deren Vermarktung soll nun intensiviert werden: «Wir wollen vermehrt Märkte und Anlässe bedienen», so Flückiger. Damit dies koordiniert und damit reibungslos ablaufen kann, sei ein Logistikzentrum geplant.

Freiburger Wissen

Plaffeien und Oberschrot sind die beiden Freiburger Gemeinden unter dem Dach des Naturparks. Für den neuen Präsidenten des Fördervereins ist deren Mitgliedschaft ein Plus: «Wir haben keine Probleme damit, dass die beiden Gemeinden zum Kanton Freiburg gehören», sagt Flückiger. «Im Gegenteil: Gerade das Wissen der Freiburger in Bezug auf die Tourismusregion Schwarzsee ist für uns ein Gewinn.» Es bringe dem Verein Mehrwert, dass die beiden Gemeinden dabei sind, ist sich Flückiger sicher.

«Das Wissen der Freiburger in Bezug auf die Tourismusregion Schwarzsee ist für uns ein Gewinn.»

Ruedi Flückiger

Präsident Förderverein

«Es ist wichtig, die Gemeinden einzubeziehen und sie vom Nutzen des Naturparks zu überzeugen.»

Ruedi Flückiger

Präsident Förderverein

Zahlen und Fakten

Höchster Punkt befindet sich auf 2000 Metern

26 Gemeinden – 24 aus dem Kanton Bern sowie Oberschrot und Plaffeien – oder 402 Quadratkilometer umfasst das Gebiet des regionalen Naturparks Gantrisch. Der tiefste Punkt befindet sich auf 510 Metern über Meer, der höchste auf 2239 Metern. Die Gemeinden der Region unterstützen den Förderverein Region Gantrisch (FRG) mit fünf Franken pro Einwohner und Jahr. Die 26 Parkgemeinden haben den Vertrag 2009 unterzeichnet und sind als Mitglieder in die strategische Ausrichtung eingebunden: Die Mitgliederversammlung des Fördervereins ist das oberste Organ im Naturpark, die Mehrheit der Stimmen gehört den Gemeinden. Aber auch Firmen, Organisationen und Private können Mitglied werden und mitbestimmen. Der Naturpark hat ein Budget von rund zwei Millionen Franken. Je ein Drittel kommt von Bund und Kanton, der Rest wird durch die Gemeinden und Drittmittel finanziert. Am 1. Januar 2012 hat der Park den Betrieb aufgenommen. Seine Ziele: die Wertschöpfung im Gebiet steigern, Angebote für die Bewohner der Parkgemeinden und die Besucher des Parks schaffen, die Natur erhalten und aufwerten. Vier Jahre lang präsidierte Hans Ulrich Mani den Förderverein, per Ende 2016 trat er zurück. Im November wählten die Mitglieder an der Versammlung in Plaffeien den Schwarzenburger Ruedi Flückiger zu dessen Nachfolger. Die erwartete Kampfwahl blieb aus, weil Nicolas Bürgisser, bis Ende 2016 Sensler Oberamtmann, seine Kandidatur kurzfristig zurückgezogen hatte.

emu

www.gantrisch.ch

«Wir haben im Naturbereich, zum Beispiel mit der Waldolympiade oder Exkursionen, schon viel erreicht.»

Ruedi Flückiger

Präsident Förderverein