Basketball 29.09.2017

Vom Gejagten zum Jäger

Der neue Kanadier Murphy Burnatowski ist einer von Olympics Schlüsselspielern.
Auf dem Papier sind einige Teams an Olympic vorbeigezogen. Trotzdem können Freiburgs Basketballer jedem Gegner gefährlich werden.

Die Zeiten, als Rekordmeister Freiburg Olympic im Schweizer Männer-Basketball klarer Branchenleader war, sind zumindest vorderhand vorbei. Bereits vergangene Saison blieb die Mannschaft von Trainer Petar Aleksic im Playoff-Halbfinal an Genf hängen, nachdem sie in der Qualifikation noch vorneweg marschiert war. Über den Sommer haben sich nun die Kräfteverhältnisse, zumindest auf dem Papier, weiter verschoben. Die Freiburger hatten insbesondere im Sektor der Schweizer Spieler mit den Abgängen von Captain Arnaud Cotture (zu Genf), Westher Molteni (Lugano) und Eric Fongué (Neuenburg) einen Aderlass zu verzeichnen.

Noch ein Schweizer gesucht

«Meister Monthey, Genf, Neuenburg und auch Lugano haben alle eine breite Bank und starke Schweizer Spieler, insbesondere auf den Positionen unter dem Korb», analysiert Aleksic. Genau das Spiel in der Nähe der Körbe bereitet den Freiburgern hingegen die grössten Sorgen. Mit dem Senegalesen Babacar Touré – dem wertvollsten NLA-Spieler früherer Jahre und zuletzt in der NLB bei Vevey tätig – sowie Natan Jurkovitz und dem ebenfalls neuen Kanadier Murphy Burnatowski stehen zwar einige gross gewachsene Spieler im Kader. Ausfälle können aber kaum kompensiert werden. Aus diesem Grund ist Olympic auch noch auf der Suche nach einem weiteren Schweizer Spieler, um dieses Trio zu entlasten. Aleksic ist zuversichtlich, dass der Club im Verlauf der Saison fündig werden wird.

Kräfte konzentrierter

Sind jedoch alle Spieler einsatzbereit, stellt Olympic auch so ein respektables Team, obwohl es nicht mehr die Tiefe der letzten Jahre aufweist. «Ich werde mit acht Spielern rotieren müssen», sagt Aleksic, der eigentlich neun Spieler präferieren würde. Aktuell hat er aber nur acht Stammspieler im Team, die mit Junioren ergänzt werden. Junioren, die noch keine tragende Rolle spielen können. Das hat zur Folge, dass einige Spieler pro Spiel weit über 30 Minuten im Einsatz stehen werden. Auch das ist eine Entwicklung, die Aleksic so nicht als wünschenswert erachtet.

Starkes Ausländer-Quartett

Trotz dem Verlust einiger Teamstützen ist der Trainer mit seinem Kader aber zufrieden. Das gilt speziell für die vier Ausländer um den Rückkehrer Slobodan Miljanic. «Sie alle haben kleinere Saläre akzeptiert, als sie im Vergleich bei der Konkurrenz kassieren könnten. Ihre Erfahrung wird wertvoll sein.» Geholfen hätte gewiss auch die Routine und Klasse eines Jonathan Kazadi, der nach seinem Frankreich-Abstecher (temporär) in die Schweiz zurückgekehrt ist. Weil ihm Olympic keine Ausstiegsklausel gewähren wollte, unterschrieb der langjährige Freiburger bei Monthey. «Ich bin immer noch sauer, dass er nicht bei uns ist», räumt Aleksic ein. «Aber mit dieser Klausel konnten wir ihn nicht zurücknehmen.»

Es liege nun an den verbliebenen Schweizer Spielern, Verantwortung zu übernehmen. «Sie werden der Schlüssel zum Erfolg sein.» Vorab von Sniper Dusan Mladjan und Jurkovitz wird abhängen, ob Olympic eine erfolgreiche Saison spielen können wird. Denn das Ziel von Aleksic ist klar: «Ich will einen Titel.» Dabei denkt der Bosnier natürlich in erster Linie an die Meisterschaft. Um dies zu erreichen, gelte es, im richtigen Moment in Form zu sein. «Letzte Saison haben wir die Qualifikation dominiert, und am Ende standen wir mit leeren Händen da. Diesmal ist es mir lieber, dass wir siegen, wenn es wirklich darauf ankommt.» Es sei kein Nachteil, als viert- oder fünftklassiertes Team in die Playoffs zu starten. «Der Heimvorteil ist überbewertet.»

Gleich Standortbestimmung

Die Rolle von Olympic hat sich also verändert. Die Freiburger sind nicht mehr die Gejagten, sondern neu die Jäger. «Wir können jedem NLA-Team gefährlich werden», sagt Aleksic bestimmt. «Wir stellen eine solide Mannschaft, haben aber gleichzeitig unsere Schwächen. Deshalb müssen wir smarter sein als die anderen.»

In der Vorbereitung zeigten die Freiburger mit guten Resultaten gegen französische Teams und NLA-Konkurrenz, dass sie auf einem guten Weg sind. Ein erster Gradmesser wird sogleich der Saisonauftakt morgen bei Neuenburg sein, das neu vom letztjährigen Olympic-Assistenztrainer Vladimir Ruzicic gecoacht wird. «Er weiss natürlich, wie wir spielen. Wir werden versuchen, den Spielrhythmus zu kontrollieren.»

Er sei ganz zuversichtlich für die «härteste Saison Olympics seit langem», wie Aleksic sagt. Um in dieser zu reüssieren, lege er das Hauptaugenmerk zunächst auf die drei Schlagworte Fokus, Konzentration und ­Motivation.

Saison 2017/18

Kader Freiburg Olympic

Boris Mbala (Jg. 96/190 cm/Pos. 1,2), Jérémy Ebenda (98/195/4), Jérémy Jaunin (91/170/1), Slobodan Miljanic (neu, MOT/90/200/3,4/Peja, KOS), Murphy Burnatowski (neu, CAN/91/200/3,4, Nikosia, CYP), Dusan Mladjan (86/198/2,3), Babacar Touré (neu, SEN/85/205/4,5/ Vevey, NLB), Victor Desponds (98/180/1), Dylan Schommer (97/203/4,5), David Fosserat (96/193/2,3), Chad Timberlake (neu, USA/84/193/1,2/ Genf, NLA), Natan Jurkovitz (95/202/3,4).

Trainer: Petar Aleksic. Assistent: Andrei Stimac.

Abgänge: Derek Wright (USA, Rilski, BUL), Westher Molteni (Lugan0), Travis Taylor (USA, Rilski, BUL), Eric Fongue (Neuenburg), Arnaud Cotture (Genf), Stan Leemans (Ieper, BEL), TRoran Brown (USA, Villars-sur-Glâne), Justin Roberson (USA, Massagno).

Basketball-NLA

Vizemeister Genf richtet mit der grossen Kelle an

Im Frühling musste sich Genf im Playoff-Final dem BBC Monthey noch geschlagen geben, nun steigt es als Favorit in die NLA-Saison 2017/18. Mit den Ex-Freiburgern Arnaud Cotture, Roberto Kovac und Marko Mladjan ist der Vizemeister besonders in Sachen Schweizer Spieler erstklassig besetzt. Zu den grössten Widersachern werden sicherlich der Titelverteidiger aus dem Wallis – neu mit Ex-Olympic-Captain Jonathan Kazadi –, Neuenburg, Lugano und Freiburg gehören.

Hinter diesen fünf Teams dürfte sich in der auf zwölf Equipen aufgestockten NLA ziemlich schnell eine Kluft auftun. Mannschaften wie Basel, Massagno, Boncourt oder die beiden Aufsteiger Pully-Lausanne und Riviera Lakers (ehemals Vevey) sind bis auf die Ausländerpositionen zumeist deutlich schwächer besetzt. Trotzdem warnt Olympic-Trainer Petar Aleksic davor, die vermeintlich «Kleineren» auf die leichte Schulter zu nehmen. «Gerade zu Hause können diese Teams immer für eine Überraschung gut sein.»

Nicht einfach sei die Ausgangslage auch deshalb, weil von den zwölf Teams nicht weniger als acht mit einem neuen Trainer in die Meisterschaft starten, darunter Boncourt mit dem langjährigen Elfic-Trainer Romain Gaspoz. «Ein neuer Trainer bedeutet gleichzeitig eine neue Philosophie. Darauf gilt es, reagieren zu können», sagt Aleksic.

fs