Basketball 13.02.2017

Olympic nutzt seine zweite Chance

Olympics Natan Jurkovitz (rechts) behielt mit seinem Team gegen Lugano die Oberhand.
Wie bereits vor wenigen Tagen im Halbfinal des Liga-Cups setzte sich Olympic gestern auch in der Meisterschaft gegen die Lugano Tigers durch. Trotz einem kleinem Zwischentief siegte Freiburg mit 88:75.

Es ist noch nicht allzu lange her, da war Lugano der absolute Branchenprimus der NLA. 2011 und 2012 holten die Tessiner gleich zweimal in Serie das Tripel mit Meisterschaft, Schweizer und Liga-Cup – es war eine Premiere in der Geschichte des Schweizer Basketballs. 2014 gewann Lugano das Championat letztmals, doch seither ist von der einstigen Dominanz nichts mehr zu sehen. Der Erfolgshunger der Tigers scheint gestillt. Sie sind träge geworden. Stellvertretend dafür steht Derek Stockalper: Der Amerikaner mit Schweizer Lizenz, seit zehn Jahren in den Diensten des Clubs, zeichnete als einer der Hauptverantwortlichen für die Belle Epoque der Luganesi. Mit bald 33 Jahren gehört der Spielmacher inzwischen nicht mehr zu den Spritzigsten auf dem Parkett, genau gleich wie sein senegalesischer Teamkollege Jules Aw. Stockalper, ein sicherer Schütze, trägt zwar immer noch das Trikot des Topskorers, die Schritte aber werden schwerer, der Atem kürzer. In seiner Position als Taktgeber widerspiegelt sich Stockalpers physische Verfassung zwangsläufig im Spiel der Tessiner. Die 24-Sekunden-Uhr wird, sollte die gegnerische Defensive nicht völlig entblösst sein, bis zum fälligen Abschluss des Angriffs hinuntergespielt. Viel daran zu ändern vermögen auch die vier Amerikaner im Team von Lugano nicht.

Dank offensiven Rebounds

Im krassen Gegensatz dazu steht das Spielkonzept der Freiburger: Wenn immer sich die Chance bietet, wird der Gegner überfallartig ausgekontert – so auch gestern. Ehe Lugano sich versah, lag es bereits mit 7:14 hinten (4.). Wie schon am Freitag beim Auswärtssieg gegen Swiss Central fiel dabei die Absenz des verletzten Playmakers Derek Wright kaum ins Gewicht. Dessen erst am Freitag engagierte Ersatz, Troran Brown, wohnte dem Spiel zwar als Zuschauer bei, ein Einsatz wäre für den Amerikaner aber noch zu früh gewesen. So teilten sich beim Gastgeber Jérémy Jaunin und der eigentliche Flügelspieler Justin Roberson die Rolle des Spielgestalters und erfüllten diese zufriedenstellend. Klar mit 47:33 lag Olympic zur Halbzeit vorne, nicht zuletzt dank der Überlegenheit bei den Rebounds (43, davon 20 in der Offensive). Weil die Gäste nicht aufsteckten, wurde es aber noch mal spannend. Lugano, nun entschlossener und mit einem unter dem Korb aufdrehenden Eric Williams (21 Punkte), entschied das dritte Viertel mit 26:19 zu seinen Gunsten und kam bis zur 32. Minute gar auf vier Zähler heran (66:62). «Natürlich haben wir noch daran geglaubt, die Partie drehen zu können», sagte Luganos Tristan Carey. «Aber die Offensiv-Rebounds der Freiburger haben uns gekillt.» 26 Punkte erzielte Olympic dank seinen Versuchen im zweiten Anlauf: der matchentscheidende Faktor. «Normalerweise gehören wir bei den Rebounds zur Liga-Spitze, gegen die athletischen Freiburger aber bekunden wir immer Mühe», stellte Lugano-Trainer Nicola Brienza fest.

Erfolgreiches Spielsystem

In der animierten Schlussphase, als so manches Händchen beim Wurf zitterte, erwiesen sich die Freiburger dann zudem als kaltblütiger. Zunächst traf Jaunin aus der Distanz, dann tat es ihm der langjährige Lugano-Spieler Dusan Mladjan mit dem entscheidenden Korb zum 80:66 gleich (36.). Zu diesem Zeitpunkt war Stockalper, mit dem Freitagsspiel in den Knochen, schon lange untergetaucht. «Wir haben schnelle Spieler, das müssen wir nutzen», erklärt Jaunin, der das kleine Zwischentief im dritten Viertel auf die Zonenverteidigung der Tessiner zurückführte. «Die Tage nach dem verlorenen Final im Liga-Cup waren für meine Spieler nicht einfach», bilanzierte Olympic-Trainer Petar Aleksic seinerseits. Deshalb war er mit der soliden Leistung seines Teams gegen die erfahrenen Tessiner mehr als zufrieden. «Es zahlt sich aus, dass mein Spielsystem es allen Spielern einfach macht, sich zu entfalten.» Dabei dachte er gewiss an den jungen Boris Mbala, der auf fast zwölf Spielminuten kam und sich nahtlos einfügen konnte.

Telegramm

Olympic - Lugano 88:75 (25:17, 22:16, 19:26, 22:16)

St. Leonhard. 1280 Zuschauer. SR: Clivaz/Hjartason/Pillet.

Freiburg Olympic: Taylor (19), Jaunin (11), Jurkovitz (11), Cotture (11), Roberson (11); D. Mladjan (14), Molteni (6), Mbala (5).

Lugano Tigers: Stockalper (10), A. Louissaint (6), West (4), E. Williams (21), Everett (12); Aw (15), Carey (7). Bemerkungen: Olympic ohne Wright, Fongué (verletzt) und T. Brown (nicht qualifiziert), Lugano ohne Steinmann.